Vaduz Kathedrale St. Florin

NeubauVaduz Kathedrale St. Florin

Erbaut 2013, Hermann Eule Orgelbau - opus 672, III + P/ 42 + 3 Vorabzüge + 3 Transmissionen

  • Vaduz
  • - 2013
  • Neubau

Georg Friedrich Steinmeyer und seine Orgel in Vaduz

Auszug aus: „Kirche und Orgel zu St. Florin in Vaduz“ Jiří Kocourek, Hermann Eule Orgelbau Bautzen GmbH

Georg Friedrich Steinmeyer (1819–1901) aus Oettingen gehörte zu den bedeutendsten deutschen Orgelbauern der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Mit der damals modernen mechanischen Kegellade in der Bauart seines Lehrers Eberhard Friedrich Walcker in Verbindung mit einer vorzüglichen, klangvollen und fein differenzierten Intonation  sowie handwerklich äusserst solider Ausführung gehören seine Orgeln zu den Meisterleistungen jener Zeit neben anderen grossen Orgelbauern wie Eberhard Friedrich Walcker, Friedrich Ladegast oder Wilhelm Sauer.

Georg Friedrich Steinmeyers Schaffensperiode reicht von der Werkstattgründung 1847 bis zur Übergabe an seine Söhne 1898. In diesen fünf Jahrzehnten schuf er ein umfangreiches Oevre von 676 Orgeln. Damit prägte er das hoch- und spätromantische Klangideal des Orgelbaus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts besonders in Süddeutschland, aber auch im Gebiet Österreich-Ungarns nachhaltig.

Georg Friedrich Steinmeyers Orgelklangideal ist eng verbunden mit dem Schaffen namhafter süddeutscher beziehungsweise dort wirkender Komponisten, allen voran Josef Gabriel Rheinberger (1839–1901), der aus Vaduz stammte. Rheinberger und seine Ehefrau wurden in München begraben, doch überführte man – nach einer kriegsbedingten Beschädigung der dortigen Grabstätte im Jahr 1944 – ihre Gebeine 1949 nach Vaduz. In seiner Kindheit hat Rheinberger zwar nicht die Steinmeyer-Orgel, sondern deren Vorgängerin in der Vaduzer St. Florinskapelle gespielt, aber den Bau der neuen Steinmeyer-Orgel 1873–1874 hat er selbst mit geplant und die Orgel zur Einweihung auch selbst gespielt.

Die vergleichsweise grosse Zahl von Steinmeyers Orgeln, aber auch ihre vollendete spätromantisch-orchestrale Ausprägung machten sie im 20. Jahrhundert zu bevorzugten Zielobjekten von neobarock orientierten klanglichen- und technischen Umbauten. Heute sind nur noch sehr wenige Instrumente Georg Friedrich Steinmeyers aus der mechanischen Kegelladenzeit unverändert erhalten.

Daher kommt der Vaduzer Orgel trotz der schwerwiegenden Umbauten eine besondere kirchenmusikalische und orgelbauliche Bedeutung zu:

  • →auf Grund der erhaltenen Originalsubstanz
  • →auf Grund ihrer Grösse
  • →auf Grund ihrer Beziehung zu Rheinberger
  • →wegen dem durch Vergleichsinstrumente gut nachweisbaren Originalzustand
  • →und keinesfalls zuletzt auf Grund ihrem herausragenden Standort, der Pfarrkirche und Kathedrale St. Florin als Sitz des Erzbischofs, Hauptkirche von Liechtenstein und kirchenmusikalischem Zentrum.

 

Alle Bildrechte gehören

dem Hermann Eule Orgelbau.

Eule-Orgel Vaduz

 

I. Manual (Hauptwerk) C-g′′′

Bordun 16′
Principal 8′
Tibia 8′
Viola di Gamba 8′
Gedackt 8′
Quintfloete 5 1/3′
Octave 4′
Gemshorn 4′
Quinte 2 2/3’ 2 2/3′ VA
Octave 2′
Mixtur 5fach 2 2/3′
Trompete 8′
Begleitwerk:
Rohrflöte 8′
Canora 4′

 

II. Manual (Seitenwerk) C-g′′′

Salicional 16′ Tr. III
Principalflöte 8′
Liebl. Gedackt 8′
Aeoline 8′
Fugara 4′
Flöte 4′
Nasard 2 2/3′ VA
Flageolet 2′
Cornett 3-5fach 2 2/3′
Fagott-Clarinette 8′

 

III. Manual (Schwellwerk) C-g′′′

Salicional 16′
Geigenprincipal 8′
Wienerflöte 8′
Dolce 8′
Salicional 8′
Vox coelestis 8′
Geigenoctav 4′ VA
Viola 4′
Floete travers 4′
Flautino 2′
Progressio 3-4fach 4′
Trompette harm. 8′
Oboe 8′
Physharmonika 8′
– Tremulant

 

Pedal C-f′

Principalbass 16′
Violon 16′
Subbass 16′
Salicetbass 16′ Tr. III
Quintbass 10 2/3′
Octavbass 8′
Violoncello 8′
Dolcebass 8′ Tr. III
Flötbass 4′
Posaune 16′

 

Koppeln und Spielhilfen:

  • 6 Normalkoppel (Züge), 3 Pedalkoppeln (Tritte)
  • 4 feste Kollektive p – mf – f – ff
  • > als Tritte links + rechts von Walze/SW; < > als Pistons unter I, im linken und im rechten Schubkasten
  • Setzerbedienelemente unter I mit Blendleiste + im rechten Schubkasten; Chipkarte
  • Digitalanzeige für Setzer mit Schiebeblende; mechan. Anzeigen SW und Walze
  • Registerzug Physh. wirkt als Trakturansteller, Schleifen des Begleitwerkes schalten zugleich Trakturanstellung
  • Registerschilder:
  • Grundplatten farbig, Koppeln doppelfarbig (Teilung oben-unten)
  • Farben HW = rot, II = blau, III = grün, P = gelb, Continuo = weiß, Koppeln = zweifarbig, Tremulant = grün; Farbintensität wie Bamberg:
  • Nummerierung anstelle der Werkbezeichnung
  • Vorabzüge unten mit „VA“, Transmissionen mit „Tr. III“ kennzeichnen
  • Schrift nach Steinmeyer Vorbild „Cheb“ (siehe PC, etwas ähnlich wie Bamberg)
  • Tritte: Muster Bamberg, Schilder wie Bamberg
  • Walze: Gummibelag
  • Schwelltritte: Massivholz (Birne? oder Eiche)
  • P-Klaviatur: wie Bamberg, aber geschweift; c° unter c′
  • Abdeckleder (als Rollo); Notenpult durchsichtig; Motor + Licht auf Reg.-zug li. unten

 

Technische Daten:

  • Stimmton 431 Hz bei 15° C, Stimmungsart gleichschwebend; Begleitwerk auf 440 Hz gestimmt
  • Schleifladen mit mechanischer Spiel- und Registertraktur sowie zusätzlicher elektrischer Registertraktur, frei stehender Spieltisch mit Blick in die Kirche
  • 2.593 Pfeifen (davon 45 im Prospekt sichtbar), hiervon 956 Pfeifen in 25 Registern von 1874
  • 13 Windladen
  • 4 große doppelfaltige Magazinbälge im Turmraum hinter der Orgel, 1 großer Ventilator
  • Gesamtgewicht: etwa 10 Tonnen

 

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