Gießen, St. Bonifatius

NeubauGießen, St. Bonifatius

Erbaut 2015, Hermann Eule Orgelbau - opus 684 II + P / 42 (davon 3 Extensionen +1 Transmission) www.bistummainz-gießen.de

  • Gießen
  • - 2015
  • Neubau

Auszug aus der Festschrift „Perle der Empore“ – St. Bonifatius – zur Einweihung der neuen Eule-Orgel

„Die St. Bonifatius-Kirche ist eine neo-spätgotische Basilika mit weiträumigen, ausgewogenen Proportionen. Sie verfügt über eine kathedralartige Akustik mit einem Nachhall von bis zu sechs Sekunden. Von der Orgelempore strahlt der Klang direkt in das Kirchenschiff, das Gewölbe trägt und weitet ihn, so dass er ein sehr ausgewogenes Verhältnis von Durchhörbarkeit und Größe aufweist.

Die Orgel ist ein Instrument für Liturgie, Konzert und Ausbildung. In ihrer Klangvielfalt und dynamischen Breite vermag sie die Feiern des Glaubens in allen Facetten zu begleiten, in festlichem Glanz wie zurückgenommener Stille. Orgelmusik aller relevanten Epochen lässt sich charaktervoll darstellen, insbesondere natürlich Werke der deutschen, englischen und französischen Romantik. Als Unterrichtsinstrument stellt die Orgel eine völlig neue Qualität in der kirchlichen C- und D- Ausbildung dar und eröffnet ganz neue Möglichkeiten.

Klanglich wie optisch ist die neue Orgel ein farbiges Werk. Der Prospekt greift die roten und blauen Farbtöne der großen Fensterrosette auf. Er schmiegt sich in dynamischen Schwüngen um das Fenster und bildet mit ihm ein homogenes Gesamtkunstwerk.

Das Hauptwerk steht, in zwei Hälften geteilt, rechts und links der Brüstung und spricht direkt in den Kirchenraum. Dahinter, um ca. 2 m erhöht, stehen jeweils im Schwellkasten das Positiv (vom Betrachter aus links) und gegenüber das Schwellwerk. Die sichtbaren Lamellentüren ermöglichen eine stufenlose dynamische Regulierung. Die großen Pfeifen des Pedals bilden einen Rahmen um die Rosette, die Pfeifen des Kleinpedals mittig darunter verbinden mit ihrem Prospekt beide Hälften der Orgel.

In der Emporenmitte, nahe der gläsernen Brüstung, befindet sich der Spieltisch.

Das Hauptwerk-Great (I. Manual) ist das führende Klangwerk der Orgel. Dem glanzvollen Prinzipalplenum auf 8′ – Basis – grundiert durch Bordun 16′ – mit Cornett und Mixtur als Farb- und Klangkronen ist nach englischem Vorbild ein zweiter, starkwandiger Prinzipal 8′ zur Seite gestellt. Er bringt noble Klangfülle, ebenso die offenen 8′- und 4′ – Flöten Claribel und Harmonic. Sicherlich ein Unikat ist das aus dem amerikanischen Orgelbau stammende Register Erzähler 8′, eine leise Stimme mit changierender Mensur. Die prachtvolle 8′-Trumpet mit offenen englischen Kehlen nach William Hill verleiht dem Plenum festlichen Glanz.

Das Positiv-Choir (II. Manual) ist ganz dem Vorbild Friedrich Ladegasts verpflichtet. Ein kleines Plenum, charaktervolle Grund- und Farbstimmen und eine durchschlagende Klarinette bilden die wunderbare lyrische Seite des Instruments. Das Werk basiert auf einem 16‘-Qintatön und steht komplett im Schwellkasten.

Das Swell-Orchestral (III. Manual) ist ein durch und durch symphonisches Werk der englischen Spätromantik. Ein lückenloser, sehr kräftiger englischer Streicherchor vom 16′ bis zum 2′ mit 3 1/′-Farbe und schwebender Viola stellt ein ganz besonderes Highlight dar. Die charmante Concert Flute 8′ ist ein ausgezeichnetes Solo- wie Begleitregister, ebenso die drei Zungenstimmung (16′, 8′, 8′), deren dynamische Bandbreite durch die Schwellmöglichkeit voll zur Geltung kommt. Sub- und Superkoppeln zu allen Teilwerken erweitern zusätzlich die klanglichen Möglichkeiten.
Das Pedal bildet das Fundament. Der Untersatz 32′ beeindruckt mit Tiefe und Fülle. Die 16′-Lage ist mit starkem Kontrabass, grundierendem Subbass und streichender Viola (Transmission III. Manual) besetzt.
Oktavbass, Violoncello und Bassflöte bilden das 8′-Trio. Die Posaune 16′ mit profundem Basston nach Ladegast trägt das Orgelplenum. Trumpet und Clairon nach Hill erweitern die Pracht in die 8′ und 4′-Lage. In jeder Hinsicht ein Höhepunkt ist die Solo-Tuba auf hohem Wind (355 mm WS) nach Henry „Father“ Willis, die jedem Werk frei zu schaltbar ist.“

„Der Klang der neuen Eule-Orgel erweist sich als äußerst vielfältig, farbenreich und außerordentlich charaktervoll.“

Ralf Stiewe, Organist

 

Alle Bildrechte gehören dem  Hermann Eule Orgelbau und

der kath. KG St. Bonifatius Gießen mit Urheber Sascha Rheker.

Eule-Orgel Gießen

 

I. Hauptwerk (C-a′′′)

Bordun 16′
Principal Major 8′
Principal minor 8′
Claribel Flute 8′
Erzähler 8′
Oktave 4′
Harmonic Flute 4′
Doublette 2′
Mixtur 4fach 1 1/3′
Cornett 2-4fach 2 2/3′
Trumpet 8′

 

II. Oberwerk-Choir (C-a′′′)

Quintatön 16′
Geigenprincipal 8′
Flauto traverso 8′
Lieblich Gedeckt 8′
Viola d‘amore 8′
Oktave 4′
Flauto dolce 4′
Nasard 2 2/3′
Piccolo 2′
Progressio 3-4fach 2 2/3′
Clarinette (durchschlagend) 8′
– Tremulant

 

III. Swell-Orchestral (C-a′′′)

Contra Viola 16′
Concert Flute 8′
Viola d’Orchestre 8′
Viola céleste 8′
Viola alta 4′
Cornet de Violes 3fach 3 1/5′
Fagott-Horn 16′
Cornopean 8′
Orchestral Oboe 8′
– Tremulant

 

Pedal (C-g′)

Untersatz 32′ (Ext. Subbaß)
Kontrabass 16′
Subbaß 16′
Violabaß 16′ (Tr. III.)
Octavbaß 8′
Violone 8′
Bassflöte 8′ (Ext. Subbaß)
Posaune 16′
Trumpet 8′
Clairon 4′ (Ext. Trumpet)

 

– Solo (frei registrierbar)

Tuba Sonora 8′

 

Normalkoppeln:

II-I, II-P, I-P (mechanisch)

III-II, III-I, III-P (elektrisch)

Oktavkoppeln (elektrisch):

Sub III-III, III-II, III-I

Super III-III, III-II, III-I, III-P

 

Technik

  • Mechanische Tontraktur
  • elektrische Registertraktur
  • 2 Windmaschinen für Normaldruck und Hochdruck (Tuba)

 

  • 2 Schwelltritte, Walze
  • Setzeranlage System Eule (OSE) mit Steuerung via Drücker und/oder Tablet

 

  • freistehender Spieltisch
  • Motor, Licht (als Züge)

 

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