Crostau Evangelisch-Lutherische Kirche

RestaurationCrostau Evangelisch-Lutherische Kirche

Erbaut 1732, Gottfried Silbermann // Restauriert 2016, Hermann Eule Orgelbau www.silbermann-orgel-crostau.de

  • Crostau
  • 18. April 2016 - 2016
  • Restauration

Errichtung der Silbermann-Orgel Crostau  (Lucas Pohle)

 

„Als sich der Auftrag für einen Orgelneubau Gottfried Silbermanns in Stolpen zerschlug, beauftragte Christian Heinrich Graf von Watzdorf, zu dessen Besitz das Rittergut Crostau zählte, den Orgelbauer mit der Errichtung eines Instruments in der Crostauer Kirche. Silbermann kam der Auftrag offenbar gelegen, da ihm für das Jahr 1732 keine weiteren Aufträge vorlagen.

Der in der Corstauer Chronik mit 1700 Talern ungewöhnlich hoch angegebene Preis der Orgel schließt vermutlich Nebenkosten für nötige Zimmerer- und Maurerarbeiten ein. In der Crostauer Chronik ist allerdings zu diesem hohen Preis vermerkt: „Wieviel solches gekostet, ist Gerücht, doch aber sehr glaublich; denn jetzo würde sie gewiss weit höher kommen.

Gottfried Silbermann stellte von Juli bis Anfang November 1732 in der alten Kirche zu Crostau eine neue Orgel folgender Disposition auf:

Principal 8 F.M. Qvintadina 8 F.M. Rohr Flöte 8 F.M. Octava 4 F.M.
Cornet M. Qvinta 3 F.M. Octava 2 F.M. Spitz-Flöte 4 F.M.
Mixtur 4fach M. Rohr Flöte 4 F.O Nasat 3 F.O Gedacktes 8 F.O
Octava 2 F.O Qvinta 3 F. M. Siffet 1 F.O Tertia aus 2 F.O
Cbeln 2fach O Octaven Bass 8 F. Posaunen Bass 8 F. Sub-Bass 16 F.
Tremulant Calcanten-Glöcklein

 

Anmerkung:

M. = Register Hauptwerk (C, D -d“‘)

O = Register Oberwerk bzw. Hinterwerk (C, D -d“‘)

Sub-Bass, Oktaven Bass und Posaunenbass bilden das Pdelawerk (C, D -e‘)

Stimmton: Chorton

Stimmungsart: ungleichstufig, nicht mehr nachweisbar

Der Weihetermin wurde vermutlich wegen Bauverzögerungen vom 02. November 1732 auf den 05. November verschoben.

Abweichend vom dem sonst üblichen Klaviaturumfang in den Manualen C, D bis c′′′ bereicherte Silbermann die Crostauer Klaviaturen um die Töne cis′′′ und d′′′. Einen solchen Umfang hatten außer einem Positiv in Schweikershain nur noch die großen Instrumente in Dresden und die Orgel in der Johanniskirche Zittau.

Schon lange Zeit begrenzt die Crostauer Orgel den Schaffensbereich Silbermanns nach Osten hin, denn die große dreimanualige Orgel der Johanniskirche Zittau wurde bereits 1757, nur 16 Jahre nach ihrer Fertigstellung, im Siebenjährigen Krieg zerstört. Im Norden reicht Silbermanns Tätigkeit bis nach Großkmehlen und Lebusa in Brandenburg, im Westen bis Schloss Brugk in Thüringen und im Süden bis ins sächsische Vogtland und Erzgebirge. In einem Umkreis von weniger als 100 km sind um die Stadt Freiberg konzentriert Kirchen mit Silbermann-Orgeln anzutreffen, wobei Freiberg selbst ehemals in vier Kirchen und in einer Privatwohnung fünf Instrumente des Meisters aufzuweisen hatte.“

 

aus „Ev.-Luth. Kirchgemeinde CrostauSilbermann-Orgel Crostau. Orgelrestaurierung 2016-Festschrift zur Wiedereinweihung

 

Silbermann-Orgel Crostau

 

I. Manual (Hauptwerk) C – d′′′

1. Principal 8 F. C, D – E Holz, Innenpfeifen, offen, original

F – d° Zinn, Prospekt, Schubert 1862

ds° – cs′′′ Zinn, Prospekt, Silbermann

d′′′ Zinn, Innenpfeife, Eule 2016

2. Octava 4 F. C, D, Ds Zinn, Prospekt, Schubert

E – B Zinn, Prospekt, original

H – d′′′ Zinn, Innenpfeifen, original

3. Quintadina 8 F. C, D – c° Zinn, Schubert

cs° – d′′′ Zinn, original

4. Rohr Flöte 8 F. C, D – c° Holz gedeckt, original

cs° – d′′′ Metall, halbgedeckt, original

5. Cornet 3fach c′ – d′′′ Zinn, original

Zusammensetzung: c′  22/3′,  2′,  11/3

ohne Repetition

6. Spitz-Flöte 4 F. C, D – d′′′ Zinn, konisch, original
7. Quinta 3 F. C, D – d′′′ Zinn, offen, original
8. Octava 2 F. C, D – d′′′ Zinn, original
9. Mixtur 4fach C, D – d′′′ Zinn, original

Zusammensetzung: C 11/3′,  1′,  2/3′,  1/2

 

II. Manual (Hinterwerk) C – d′′′

10. Gedacktes 8 F. C, D – c° Holz, gedeckt, original

cs° – d′′′ Metall, gedeckt, original

11. Rohr Flöte 4 F. C, D – d′′ Metall, halbgedeckt, original

ds′′ – d′′′ Zinn, konisch offen, original

12. Nasat 3 F. C, D – g′ Metall, halbgedeckt, original

gs′ – d′′′ Zinn, zylindrisch offen, original

13. Octava 2 F. C, D – d′′′ Zinn, original
14. Tertia aus 2 F. C, D – d′′′ Zinn, original
15. Quinta 1 ½ F. C, D – d′′′ Zinn, Eule 1982
16. Sifflet 1 F. C, D – d′′′ Zinn, original
17. Cymbeln   2fach, C, D – d“‘ Zinn, original

Zusammensetzung: C  2/3′,  1/2

 

Pedal C – c′ (von Rückwand beginnend)

18. Sub Bass 16 F. C, D – c′ Nadelholz, original
19. Octaven Bass 8 F. C, D – c′ Nadelholz, original
20. Posaunenbass 16 F. C, D – h° Holz, original

c′, Stiefel original, Becher Eule 2016

Spielhilfen

  • Tremulant:  Kanaltremulant für das ganze Werk, original
  • Coppel:  Pedalkoppel, Schubert 1862
  • Calcanten-Glöcklein:  rekonstruiert Eule 2016
  • Manualkoppel als Schiebekoppel
  • Wind:  Einschaltung der Stromversorgung je nach angewähltem Umfang durch Schalterstellung im Balgraum, Eule 2016

-Schalterstellung 0 = Einschaltung des Spieltischlichtes (für Calcantenbetrieb)

-Schalterstellung 1 = Einschaltung des Orgelgebläses

-Schalterstellung 2 = Einschaltung der Balgaufzugsanlage (Details unter 3.9. Bälge und Kanäle)

Winddruck:         74mmWS

Stimmton:            466Hz bei 20°C Chorton

Stimmungsart:    Neidhardt II, 1724

 

aus: „Ev.-Luth. Kirchgemeinde Crostau. Silbermann-Orgel Crostau 1732-2016. Orgelrestaurierung 2016. Festschrift zur Wiedereinweihung

 

Restaurierungskonzeption

 

In Übereinstimmung mit dem Votum der hinzugezogenen Orgelsachverständigen Holger Gehring, Organist der Kreuzkirche Dresden und Dr. Horst Hodick vom Landesamt für Denkmalpflege wurde in Abstimmung mit der Kirchgemeinde beschlossen, die Orgel in den baulichen und klanglichen Zustand von 1732 zurückzuführen, da nur dieser Zustand dem hohen musikhistorischen und künstlerischen Wert der Orgel und der überragenden Bedeutung ihres Erbauers in der sächsischen Orgellandschaft gerecht wird.

Sämtliche später hinzugefügten Teile sind demzufolge zu entfernen. Eine Ausnahme dabei ist die Beibehaltung der 1860 von Carl Eduard Schubert angelegten Schaltbarkeit der Koppel Hauptwerk an Pedal.

Die durch die Umsetzung der Orgel in die neue Kirche bedingten Veränderungen in der Stellung der Balganlage und die damit verbundene andere Kanalführung bleiben natürlich bestehen.

Ausgeführte Arbeiten

Demontage

Im April 2016 wurde nach umfangreicher Dokumentation die Orgel demontiert. Zuvor war das Pfeifenwerk ausgebaut und auf den Emporen der Kirche eingelagert worden. Alle Holzteile der Orgel wurden an ihren Oberflächen von den im Laufe der Zeit eingebrachten Holzschutzmitteln befreit. Die beiden Anbauten rechts und links des Orgelgehäuses konnten wieder entfernt werden. Die Klaviaturen, Windladen, Windkanäle und reparaturbedürftige Teile der Tonmechanik wurden nach Bautzen in die Werkstatt transportiert.

Klaviaturen

Beide Manualklaviaturen sind in ihrer Grundsubstanz original erhalten. Die Beläge der Untertasten (Ebenholz) sind in ihren vorderen Teilen bereits einmal von C. E. Schubert erneuert worden. 1933 ist Ton Cs in die Klaviaturen eingefügt worden. Obwohl das Ebenholz der Tastenbeläge außerordentlich hart ist, sind unermüdliche Organistenfinger in der Lage, besonders im vielbespielten Mittelbereich im Laufe der Jahrzehnte kleine Mulden auszuarbeiten. Hier mußten dann neue Beläge wiederum aus Ebenholz angefertigt und aufgeleimt werden. Die abgelösten alten Beläge werden aufbewahrt. Die Obertasten aus Birnbaum sind mit Elfenbein belegt. Sie sind nach Reinigung und Nachleimung weiter verwendbar. Die mit originalen Seitenstiften aus Messingflachdraht geführten Tasten haben z.T. erhebliches seitliches Spiel, welches durch Beileimen von dünnen Pergamentstreifen auf das notwendige Maß verkleinert wurde.

Die 1933 hinzugefügte Taste Cs wurde entfernt, die Fehlstellen in den Tasten C und D wurden geschlossen.

Die 1933 eingebaute Pedalklaviatur wurde durch eine Kopie nach der Silbermann – Klaviatur in Rötha ersetzt.

 

aus: „Ev.-Luth. Kirchgemeinde Crostau. Silbermann-Orgel Crostau 1732-2016. Orgelrestaurierung 2016. Festschrift zur Wiedereinweihung

 

Bildergalerie zu während und nach der Restauration

 

 

Alle Bildrechte gehören Günter Widiger und

dem Hermann Eule Orgelbau.

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