Dresden Kulturpalast

NeubauDresden Kulturpalast

Erbaut 2017, Hermann Eule Orgelbau - opus 686, IV + P/61 + 6 Transmissionen www.kulturpalast-dresden.de

  • Dresden, Kulturpalast
  • 2015 - 2017
  • Neubau

 

Für den neuerbauten Konzertsaal schlug die Orgelkommission eine Konzertorgel vor, die speziell für das typische Repertoir der Konzertsäle und Town Halls geschaffen werden sollte, die sie seit etwa 1830 in England, Frankreich und Deutschland gebaut wurden. Sie sollte sich außerdem von den Orgeln der Innenstadtkirchen mit barockem, partiell französisch-symphonischen Klang abheben und Dresden mit einer neuen Klangpalette bereichern. In dem weinbergartigen neuen Konzertsaal konnte die Orgel eine sehr breite und ausreichend hohe Fläche hoch über dem Bühnenbereich erhalten. Diese erlaubte eine gut zugängliche Aufstellung aller Werke neben- oder übereinander mit guter Klangabstrahlung in den Raum: in der unteren Ebene mittig das Hauptwerk, darüber das Solowerk, beidseitig das Kleinpedal, ganz außen das Großpedal; in der oberen Ebene links das Schwellwerk II, rechts das Récit-Orchestral. Für Orchesterkonzerte werden vor der Orgel Schallsegel heruntergezogen.

Die großflächige Orgelfassade greift mit den Linien der Pfeifenlabien und -mündungen die Linien der Schichtungen der umgebenden Saalwände auf und führt sie stringent zum großen zentralen 16′-Mittelfeld, welches dadurch betont wird. Der Verzicht auf zusätzliche Untergliederungen und die stets unterschiedlichen wahrnehmbaren Lichtreflektionen beleben den Prospekt, aber verleihen ihm Großzügigkeit und Ruhe. Da die neue Orgel ein reines Konzertinstrument ist, entschied man sich für eine elektrische Traktur mit einem frei im Orchesterraum stehenden fahrbaren Spieltisch.

Klang und Disposition greifen charaktervolle Klangfarben des englischen, amerikanischen, französischen und deutschen Orgelbaus der Spätromantik auf und verbinden sie zu einem genuinen Klangwerk mit wahrhaft orchestraler Klangfarbenvielfalt und Dynamik. Nicht nur zwei Schwellwerke, sondern auch die Gestaltung der Winddruckverhältnisse (ab 105 mmWS aufwärts) und Mensuren erzeugt farbige, individuelle, höchst charaktervolle Klänge, die ein fast verhauchendes pianissimo ermöglichen, und ebenso ein majestätisch brausendes Volles Werk ohne jede Aufdringlichkeit oder Ermüdung des Hörenden. Das Hauptwerk besitzt einen voluminösen, tragfähigen Klang – nicht ohne ein fein-zeichnendes Begleitregister, den Erzähler -, das II. Manual einen etwas feineren, schlankeren Klang, der im Kern von Friedrich Ladegast inspiriert ist, während das Récit-Orchestral ausdrucksstarke und dynamisch weitgespannte Klangfarben der Symphonik vereint– von der ätherischen deutschen Aeoline mit Vox coelestis bis zum grandiosen Streicherchor der englischen Orchestral Divisions, der färbenden Quintatön, den leuchtenden französischen Zungen, der charakteristischen Voix humaine. Als Besonderheit lässt sich der leidenschaftlich-kraftvolle französische Bombardenchor separat an alle Klaviaturen ankoppeln. Das Solowerk auf dem IV. Manual besitzt drei prachtvolle Solisten, die von englisch-amerikanischen Orgeln der 1920er Jahre inspiriert sind, auf Hochdruck. Das Pedal erfährt durch Extensionen und Transmissionen eine reichhaltige, klanglich und dynamisch an alle Teilwerke anpassungsfähige Besetzung.

 

Eule-Orgel Kulturpalast Dresden

 

I. Hauptwerk C-a′′′

Principal 16′
Principal 8′
Large open Diapason 8′
Flute major 8′
Cello 8′
Erzähler 8′
Octave 4′
Hohflöte 4′
Quinte 2 2/3′
Oktave 2′
Mixtur 4-5fach 2′
Cornet 3-5fach 2 2/3′
Trompete 8′

 

II. Schwellwerk C-a′′′

Liebl. Gedackt 16′
Geigenprincipal 8′
Salicional 8′
Doppelflöte 8′
Rohrflöte 8′
Geigenoctave 4′
Flöte 4′
Nasard 2 2/3′
Flautino 2′
Terz 1 3/5′
Progressio 3-5fach 2′
Cor anglais 16′
Cornopean 8′
Clarinette 8′
French Horn Transm. IV 8′
– Tremulant

 

III. Récit-Orchestral  C-a′′′

Viola 16′
Principal 8′
Viol d’orchestre 8′
Concert Flute 8′
Zartgedackt 8′
Aeoline 8′
Vox coelestis ab G 8′
Quintatön 8′
Fugara 4′
Flute octaviante 4′
Octavin 2′
Viol-Cornett 3fach 3 1/5′
Plein jeu 5fach 4′
Orchestral Oboe 8′
Voix humaine 8′
– Tremulant

 

Pedal C-g

Grand Bourdon 32′
Open Wood 16′
Principal Transm. I 16′
Violon 16′
Subbass Extens. 16′
Gedacktbass Transm. II 16′
Dulcianabass Transm. III 16′
Octavbass 8′
Violoncello Extens. 8′
Bassflöte 8′
Salicetbass Transm. II 8′
Bourdonbass Transm. III 8′
Octave Extens. 4′
Bassflöte Extens. 4′
Contraposaune 32′
Posaune Extens. 16′
Trompetenbass 8′
Clairon Extens. 4′

 

IV. Solo

offen:
Melodia 8′
Tuba sonora 8′
im Schweller II. Man.:
French Horn 8′

 

– Bombarde

(frei ankoppelbar)
im Schweller III. Man.:
Bombarde 16′
Trompette harmon. 8′
Clairon harmonique 4′

 

Koppeln und Spielhilfen:

  • 10 Normalkoppeln IV-I, III-I, II-I, III-II, III-I, II-I, I-P, II-P, III-P, IV-P
  • 5 Normalkoppeln Bombardenwerk an I, II, III, IV und P
  • 5 Superoktavkoppeln III-III, III-I, II-II, II-I, IV-P
  • 5 Suboktavkoppeln III-III, III-I, II-II, II-I, I-I
  • Manualtausch II gegen III (Druckknopf zwischen den Manualklaviaturen)
  • 2 Schwelltritte (wahlweise mit Handbedienung), Generalschweller (Schwelltrittkopplung als Tritt)
  • Walze (mit 4 einstellbaren Programmen), Walze an (Tritt)
  • Setzeranlage System Eule: 10.000 freie Kombinationen im offenen Bereich, zusätzlich im Nutzerbereich unbegrenzte Zahl an Nutzern mit jeweils unbegrenzter Zahl an Kombinationsfolgen zu je 1.000 Einzelkombinationen
  • Sequenzer vorwärts unter jedem Manual, Sequenzer vor- und rückwärts vierfach als Tritte, rechts und links außen und im Setzerschubkasten; Zahlen-, Setzer- und Rückstelltaste unter Man. I, dto. sowie übrige Setzerbedienelemente in einem Schubkasten rechts; Funktionstasten für Einfügen, Löschen, Kopieren, Lesen und Schreiben
  • Digitalanzeigen für Setzer, Walze und die 2 Schweller
  • MIDI-Anschluss mit Aufzeichnungsfunktion in einem Schubkasten links
  • Schalter für Trakturelektrik, Motor und Licht
  • elektronische Stimmunterstützung

 

Technische Daten

 

Schleifladen mit elektrischen Trakturen und optoelektronischen Tastenkontakten, Datenübertragung über BUS-System
fahrbarer Spieltisch, Oberteil elektrisch höhenverstellbar, Pedalklaviatur umstellbar c° unter c′ oder ds° unter ds′
4.109 Pfeifen, davon 223 aus 6 Registern im Prospekt sichtbar (incl. 96 Blindpfeifen)
14 große Windladen, 18 Einzeltonladen
10 Magazinbälge (für die Manuale I bis III jeweils doppelfaltig), 3 Vorbälge, 2 Normaldruck- und 1 Hochdruckventilator, auf dem Dachboden über der Orgel
orgeleigene klimagesteuerte Belüftungsanlage
Winddrücke: Hauptwerk 114 mmWS, II. Manual 105 mmWS, III. Manual 118 mmWS, Bombarde und Melodia 190 mmWS, Tuba Sonora und French Horn 450 mmWS, Pedal 110 bis 127 mmWS
Stimmton 443 Hz bei 21° C, Stimmungsart gleichschwebend
Maße (Hauptteil): Breite 14,7 m, Tiefe 3,3 m, Höhe 8,5 m
Gesamtgewicht: etwa 20,5 Tonnen

 

Alle Bildrechte gehören

dem Hermann Eule Orgelbau.

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