Die Königin ist wieder zu Hause - Größte Springladenorgel der Welt nach fünfjähriger Restaurierung in Borgentreich eingetroffen

Borgentreich, Barockorgel

Neue Westfälische, 23.02.2010, David Schellenberg

Die Königin ist wieder zu Hause - Größte Springladenorgel der Welt nach fünfjähriger Restaurierung in Borgentreich eingetroffen

Borgentreich. Wellenbretter, Windlade und Zierhölzer liegen auf und zwischen den Kirchenbänken. Zerlegt in rund 10.000 Einzelteile wurde die größe Springladenorgel der Welt gestern zurück nach Borgentreich transportiert. Nur die Pfeifen haben die Orgelbauer aus dem sächsischen Bautzen noch nicht mitgebracht.

(…) Während sich die Borgentreicher Helfer noch zuprosteten, begannen die Mitarbeiter um Orgelbaumeister Konrad Dänhardt mit den Vorbereitungen für den Wiederaufbau. Zunächst galt es, ein großes Gerüst vor der Empore aufzubauen, damit die vielen, oft sperrigen Einzelteile hochgehievt werden können. „ Wie viele es genau sind, können wir gar nicht sagen, denn wir haben sie nie gezählt. Ich schätze, dass wir rund 10.000 Teile hier liegen haben“, sagt Dänhardt. Die meisten verpackten Stücke sind beschriftet. Andere Teile, wie die unzähligen Wellenbretter, die Kanthölzern mit Abstandshaltern ähneln, liegen lose und ohne Markierung auf den Kirchenbänken.

Bei so vielen Einzeilteilen nicht durcheinander zu kommen, ist für die Arbeiter aus Sachsen eine große Herausforderung. „Es ist meines Wissens aber noch nie vorgekommen, dass etwas übrig blieb“, sagt Orgelbauer Michael Heinrich. „Wir kennen die Orgel inzwischen so gut, dass wir die Beschriftung nicht mehr bräuchten“, ergänzt Dänhardt.

Bis zum 26. März soll das Gehäuse der so genannten Königin der Instrumente stehen. Dann sind zunächst die Maler dran, die das Holz pasend zu den Farben der Kirche anmalen. Erst danach, im Sommer, werden dann die Pfeifen eingebaut und intoniert. Das Richtfest ist für den 2. und 3. Oktober geplant, die Einweihung für das Frühjahr 2011.

Bis dahin ist noch viel zu tun. „Was die Restaurierung so teuer macht, ist die viele Handarbeit“, sagt Orgelbauer Heinrich. Die Kosten von knapp 1,7 Millionen Euro beschäftigen auch den Vorsitzenden des Orgelfördervereins, Joachim Ohlrogge. „Wir brauchen noch etwa 450.000 Euro an Spenden“, sagt der Borgentreicher, der natürlich auch auf die Unterstützung durch Bund und Land hofft. „allerdings sich dort die Kassen sehr knapp, deshalbt sind wir umso mehr auf die Bevölkerung angewiesen.“ So gäbe es noch die Möglichkeit, eine Patenschaft für eine Pfeife zu übernehmen.

Dass sich der ganze Aufwand lohnt, davon ist der Chef des Orgelmuseums und Organist Jörg Kraemer fest überzeugt. Auch wenn die ersten Töne in Borgentreich frühestens im Spätsommer zu hören sein werden – er durfte die Orgel, bei der ein Drittel der 3.012 Pfeifen neu gegossen wurden, bei der Vorintonation bereits hören. „Das klang sehr vielversprechend“, berichtete Kraemer.

Fotos: Oliver Krato / dpa

Kirche Borgentreich

 

 

PUBLIKATIONEN

BESTELLUNGEN
© COPYRIGHT HERMANN EULE ORGELBAU 2018 IMPRESSUM / DATENSCHUTZERKLÄRUNG