Ingeborg Eule feiert ihren 90. Geburtstag 

Ingeborg Eule gehört zu den bekanntesten Persönlichkeiten des Bautzener Wirtschaftsleben. Ihre Ideen und ihren Enthusiasmus widmete die langjährige Geschäftsführerin der traditionsreichen Orgelbauwerkstatt „Hermann Eule Orgelbau“ weit über 40 Jahre der „Königin der Instrumente“ und den Mitarbeitern des Handwerksunternehmens in der Wilthener Straße. Morgen, am Mittwoch, dem 7. Januar, feiert Ingeborg Eule, ihren 90. Geburtstag mit langjährigen Wegbegleitern und Kollegen. 

Ingeborg Eule übernimmt 1971 nach dem frühen Tod ihres Mannes Hans Eule die Leitung des Betriebs und führt so eine Orgelbautradition in Bautzen weiter, die bis auf das Jahr 1872 zurückgeht. Damals meldet Hermann Eule sein Gewerbe als Orgelbauer in Bautzen an. Seine Tochter Johanna führt den Handwerksbetrieb ab 1929 durch die schwierige Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs. Auch auf Ingeborg Eule warten in der dritten Generation keine leichten Tage. Der Handwerksbetrieb wird 1972 zwangsverstaatlicht. 

Weitsichtig und vorausschauend leitet die disziplinierte und bescheidene Frau fortan den Volkseigenen Betrieb. Mit Scharfsinn, resolutem Auftreten und großem Verhandlungsgeschick mit Kunden und Geschäftspartnern holt sie Orgelbauaufträge aus der ganzen Welt in die kleine ostdeutsche Stadt Bautzen. Ihr Haus ist in der „Enge des DDR-Systems – eine Insel im roten Meer.“ Und ganz nebenbei gelingt es ihr noch gegen den Widerstand staatlicher Stellen, Teile der Orgel aus der Leipziger Universitätskirche St. Pauli zu retten. Das Gotteshaus steht dem Neubau des sozialistischen Universitätscampus im Weg und wird 1968 gesprengt.

Mit der politischen Wende kümmert sich Ingeborg Eule sofort um die Reprivatisierung des Unternehmens und führt es im Sommer 1990 fast unbeschadet in Familieneigentum zurück. Dem Sprung ins kalte Wasser folgt die Investition von über vier Millionen Euro in neue Maschinen. Bei der Modernisierung stehen die Mitarbeiter immer hinter der damals 65jährigen „Jung-Unternehmerin“. Oft laufen die neuen Anlagen Tag und Nacht. Im Jahr 2002 erhält ihr Betrieb den „Oberlausitzer Unternehmerpreis“. 

Unter der Leitung Ingeborg Eules entstehen zwischen 1971 und 2005 weltweit 231 neue Orgeln, 43 historische Instrumente werden in der Orgelwerkstatt restauriert. Ihr größter Auftrag ist die Orgel mit 103 Registern und 6.848 Pfeifen für die Nikolaikirche zu Leipzig. Ihr Lebenswerk würdigt 2006 der damalige Ministerpräsident Georg Milbradt mit dem sächsischen Verdienstorden. Schließlich steht die Unternehmerin nicht nur in ihrer Firma „ihren Mann“. Ehrenamtlich engagiert sie sich für ihre geliebte Heimatstadt Bautzen. Sie ist unter anderem Mitglied im Ortskuratorium der Stiftung Denkmalschutz, in der Stiftung „Taucherkirche“ und gehört zu den Förderern der Dr. Gregorius-Mättig-Stiftung.

Mit 81 Jahren übergibt Ingeborg Eule die Geschäftsleitung in jüngere Hände. Seit 2006 lenkt ihre Enkelin Anne-Christin Eule das Unternehmen, seit 2013 gemeinsam mit ihrem Mann Orgelbaumeister Dirk Eule. In der zweiten Reihe bleibt Ingeborg Eule weiter aktiv und mischt sich immer noch gern mit Rat und Tat ein. Am liebsten aber genießt die perfekte Gastgeberin inzwischen ihren wunderbaren Rosengarten und Stunden voller Plaudereien mit alten Weggefährten. Dazu wird an ihrem morgigen Geburtstag wieder ein bisschen Zeit sein. 

Miriam Schönbach 

Ingeborg Eule feiert ihren 90. Geburtstag

07.01.2015

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