St. Petersburg, Russland Konservatorium, Glasunow-Saal

Hermann Eule Orgelbau - opus 662, III / 56
Erbaut 2009, Gehäuse Walcker 1892


Aspekte der klanglichen und technischen Konzeption

Gern kamen wir der ehrenvollen Aufgabe nach, ein Konzept für die neue Orgel in das vorhandene historische Orgelgehäuse des Glasunow-Saales zu erstellen, das dem Wunsch nach einer großen, dem Konzertsaal angemessenen Orgel im internationalen Maßstab entspricht und den vielfältigen konzertanten und pädagogischen Aufgaben gerecht wird. Grundlage bildete die von den Experten des Konservatoriums verfasste Ausschreibung mit ihrer technischen Aufgabenstellung.


Klangkonzept

Die geplante Orgelgröße von 56 klingenden Registern halten wir für angemessen, um die musikalischen Anforderungen, die an ein Konzertinstrument mit vielseitiger Eignung gestellt werden, zu erfüllen. Bei der Größe des Glasunow-Saals mit etwa 4.000 m³ und seiner sensiblen Akustik müssen Mensuration und Intonation äußerst sorgfältig hinsichtlich Charakteristik der Einzelstimmen, Gravität und Mischungsfähigkeit, auch im Zusammenspiel mit dem Orchester, ausgerichtet sein. Grenzen im Dispositionsaufbau setzt der für die Orgel im historischen Gehäuse vorhandene Platz.


Auf der Grundlage unserer detaillierten Konstruktionsstudie sind jedoch 56 Register auf 3 Manualen und Pedal gut unterzubringen. Dies grundsätzlich unter der Prämisse, die Anordnung der Windladen der Manuale aus Gründen der Stimmhaltung möglichst auf einer Ebene einzurichten, dass alle Bereiche des Pfeifenwerkes gut erreichbar und für die Zungenstimmung gut zugängig sind und dass alle Pfeifen eine optimale Aussprache haben. Für die Wartung der Orgel und deren langjährige Funktionstüchtigkeit ist  dies von großer Bedeutung. Die Disposition begreift die Orgel als ein Instrument großer stilistischer Bandbreite, das die Darstellung von Literatur verschiedener Epochen gültig ermöglicht und eine Vielzahl musikalischer Ausdrucksmöglichkeiten bereit hält. Die Basis bildet unsere sächsische-mitteldeutsche Orgeltradition. Im Gegensatz zu einer farblosen "Universalorgel" entsteht dadurch eine gelungene Synthese zwischen klassischer Orgelbautradition (Gottfried Silbermann, Zacharias Hildebrandt) und romantischer Stilistik (Friedrich Ladegast, Hermann Eule). Bereichert wird dieser ausdrucksvolle Klangkörper durch Komponenten französisch-symphonischer Prägung mit Mensuren aus dem Schaffen von Cavaillé Coll.

Die Teilwerke der Orgel stehen in einer engen Beziehung zueinander und sind mit "fließenden" Übergängen miteinander gleichsam "verzahnt". Dies beinhaltet gute Voraussetzungen für eine genuine Darstellung spätbarocker und deutsch-romantischer Orgelmusik von Johann Sebastian Bach, Mendelssohn über Liszt, Reubke und Reger bis zur Moderne. Daneben, fast gleichberechtigt, die französische Sinfonik von Cesar Frank bis Charles Tournemire, wobei auch hier der Anschluss an das 20. Jahrhundert gegeben ist. Die Aufteilung der einzelnen Klangaggregate entspricht den Anforderungen einer Konzertorgel in ihrer akustischen Wirkung mit dem Raum nach folgendem Grundschema: 

 

Hauptwerk  direkt, prägnant, führend, füllend, breit, "Ripieno"
Positiv  direkt, prägnant, rezitatorisch, schlank, "concertato", verbindend
Schwellwerk     diffus, aber auch prägnant, sinfonisch-expressiv, intensiv farbbestimmend
Kleinpedal  noch direkt und prägnant, transparent
Großpedal  diffus grundierend, raumumfassend

PUBLIKATIONEN

BESTELLUNGEN
© COPYRIGHT HERMANN EULE ORGELBAU 2018 IMPRESSUM / DATENSCHUTZERKLÄRUNG