Frauenstein, Stadtkirche - Richard Kreutzbach Orgel - Restaurierung

Richard Kreutzbach hat die Orgel 1873 sehr solide gebaut. Man spürt in der Gesamtanlage und auch in den Ausführungen im Detail, dass Kreutzbach mit dieser Orgel dem Genius loci, den Gottfried Silbermanns Vorgängerorgeln geschaffen hatten, nicht nachstehen und etwas Adäquates schaffen wollte. Verschiedene Bauprinzipien wie die Anlage der Register- und Tonmechanik sind vergleichbaren Silbermann-Werken direkt entlehnt.

Trotz solider Ausführung war nach nunmehr 135 Jahren Gebrauch an verschiedenen wichtigen Teilen Verschleiß eingetreten, der zunehmend zu Störungen führte. Nur eine sehr gründliche Instandsetzung konnte hier dauerhaft Abhilfe schaffen, die u.a. den erstmaligen Ausbau der Windladen erforderlich machte.

Nach Abstimmung der Restaurierungskonzeption mit den zuständigen Orgelsachverständigen, Herrn Dr. Horst Hodick und Herrn Reimund Böhmig-Weißgerber, sowie dem langjährigen Kantor und Organisten, Herrn Peter Kleinert, erfolgte als erstes der Ausbau des Metall- und Holzpfeifenwerks, das sorgfältig in Kisten verpackt, in die Werkstatt nach Bautzen transportiert wurde. Dort wurden Deformationen im Metall beseitigt, Risse nachgelötet, geschwächte Pfeifen stabilisiert. Die Holzpfeifen wurden instandgesetzt. Hier hatte Kreutzbach Holz verwendet, das nicht genug ausgetrocknet war, entsprechend viele Risse waren im Holz entstanden, die aufwendig ausgespänt werden mussten.

Ein ähnliches Problem wiesen die Windladen auf, auch hier waren durch Verwendung zu wenig getrockneter Hölzer zahlreiche Risse entstanden, die in aufwendiger Kleinarbeit abgedichtet werden mussten. Offenbar konnte Kreutzbach nicht aus einem solchen Vorrat gut ausgetrockneter Hölzer schöpfen wie Silbermann.

Im Einzelnen wurden durch die Restauratoren des Eule Orgelbau Bautzen unter Leitung von Chefrestaurator Helmut Werner und Montageleiter Friedemann Birke an den Teilen der Orgel folgende Arbeiten ausgeführt:

Spielschrank:

  • Ausbau und Instandsetzung der Klaviaturen
  • Restaurierung der Registerzüge
  • Wiederherstellung des Tritts zum Schwellschrank
  • Restaurierung der Orgelbank
  • Neuanlage der Beleuchtung
  • Aussetzen von Furnierschäden und Nachpolieren
  • Neubau des Notenpults

Tonmechanik:

  • Ausbau und Instandsetzung aller Abstrakten
  • Instandsetzung der Wellenbretter und Winkelleisten
  • Auswechseln von zu straffen Federn gegen leichter gehende, um die sehr zähe Spielart der Tonmechanik zu verbessern
  • Überarbeitung sämtlicher Lagerstellen der Tonmechanik mit dem Ziel der Minimierung der Tastendrücke und des Geräuschpegels der Mechanik

Registermechanik:

  • Abbau der gesamten Anlage "Ausbuchsen von ausgespielten Lager-stellen mit Hartholz "
  • Entrosten der Eisenteile
  • Wiedereinbau und Regulierung

Windladen:

  • Vollständige Demontage in die Einzelteile
  • Ausspänen der zahlreichen Risse und offenen Leimfugen
  • Ausgießen der rund 200 Kanzellen mit Leim
  • Abrichten der verzogenen Ladenober- und -unterseiten
  • Richten verzogener Schleifen
  • Beledern der Ladenunterseiten
  • Neubeledern der Spielventile
  • Sorgfältiges Aufpassen der Pfeifenstöcke
  • Rückbau der veränderten Pfeifenstöcke zur Aufnahme der rekonstruierten Register

Balganlage:

  • Instandsetzung der vier erhaltenen originalen Kastenbälge
  • Entwicklung und Einbau einer durch eine elektromechanische Aufzugsanlage für die Kastenbälge und imitieren nun - historisch getreu - den Betrieb durch Balgtreter

Schwellwerk:

  • Wiedereinbau der Jalousien und der Betätigungsmechanik für die vier schwellbaren Register des Oberwerks (II. Manual)
  • zum Teil noch vorhandene Elemente wurden dabei wieder verwendet, fehlende ergänzt

Pfeifenwerk:

  • Reinigung und Instandsetzung des vorhandenen originalen Pfeifenwerks
  • Neubau der vorn sichtbaren Prospektpfeifen von Principal 8' des Hauptwerkes (27 Pfeifen) und Principal 8' des Oberwerks (13 Pfeifen)
  • Wiederherstellung der Disposition von 1873 durch den Nachbau der fehlenden Zungenregister:
    • Trompete 8' im Hauptwerk 
    • Oboe 8' im Oberwerk 
    • Trompete 8' im Pedal
  • Rekonstruktion fehlender Einzelpfeifen
  • Neuverleimen aufgesprungener Holzpfeifen
  • Neuanfertigung von zahlreichen Spundgriffen von Holzpfeifen in der Bauweise Kreutzbachs anstelle von fremden, nachträglich hinzugefügten mangelbehafteten Griffen

Helmut Werner
Chefrestaurator

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