Frauenstein Stadtkirche - Richard Kreutzbach Orgel

Erbaut 1873, Richard Kreutzbach
Restauriert 2008, Hermann Eule Orgelbau

Geschichte 
Das Instrument wurde als opus 140 erbaut und Ende 1873 vom Dresdner Annenkirchen-Organisten Carl August Fischer abgenommen. Richard Kreutzbach schuf in Frauenstein erstmals eine Orgel mit typischen Merkmalen der Hochromantik: ein fülliges, majestätisch klingendes volles Werk, sanfte Flöten und Streicherklangfarben, ein Schwellkasten für die dynamische Variierung von 4 Registern des II. Manuals, die zweitälteste erhaltene Einrichtung dieser Art in Sachsen, und eine mechanische Abstellkoppel für die kräftigen Pedalstimmen beim Wechsel in den piano-Bereich. Klangliche Progression verband Kreutzbach mit der bewährten klassischen Schleifladenmechanik und den leistungsfähigen Kastenbälgen und einem neuartigen Stoßfängerbalg für das Oberwerk.

Die innere Anlage der Orgel folgt der sächsischen Silbermannschule: Hauptwerk in der 1. Ebene hinter dem Prospekt, darüber in der 2. Ebene das Oberwerk, Fortepedal hinterständig zu ebener Erde, das Pianopedal dahinter in Höhe des Hauptwerks. Alle 8 Windladen sind als mechanische Schleifladen gebaut und in C- und Cs-Seite geteilt mit Wellenbrettmechaniken. Die Manuale besitzen jeweils einarmige hängende Trakturen.

Ab 1889 wurde die Frauensteiner-Orgel von verschiedenen Orgelbauwerkstätten in Sachsen gepflegt, repariert und geringfügig umgebaut.

1917 wurden die zinnernen Prospektpfeifen für Kriegszwecke ausgebaut.

1932 bekam die Orgel einen neuen Zinnprospekt. Die Prospektpfeifen hatten einen erheblich geringeren Durchmesser und abweichendem Klang als der originale Zinnprospekt und konnten so bei der Restaurierung 2008 nicht weiter verwendet werden. 1932 wurde vermutlich die Trompete 8' im Hauptwerk durch eine neue, modern konstruierte und die seltene Oboe 8' im Oberwerk durch eine neue Vox coelestis 8' mit Pfeifen erst ab c° ersetzt wurde. Die Orgel bekam einen Elektroventilator.

1945 nach Kriegsende sollen die Pfeifen des Trompetenbasses 8' gestohlen worden sein.

1990 wurde anstelle des fehlenden Trompetenbasses ein sehr hoch klingendes Cornett 4-fach 2' eingebaut. Für das Oberwerk wurde ein Kanaltremulante eingebaut, der vom Calcantenzug betätigt wurde. Es folgte der Ersatz der Vox coelestis durch eine neue Quinte 1 1/3', die Erneuerung der Tastenaufsätze der Pedalklaviatur und die Umstellung des Gedackt 16' zu einem Gedackt 8' im Oberwerk. unter Wegnahme der 12 tiefen Gedacktpfeifen und Hinzufügung von 15 hohen Gedacktpfeifen. Die 12 tiefen Gedacktpfeifen, die noch erhaltenen Raster des Trompetenbasses und die Schwellschranktüren samt Mechanik wurden im Turmtreppenhaus eingelagert.

Es ist ein Glücksfall, dass die Frauensteiner Orgel nur wenig dem wechselnden Zeitgeschmack gemäß verändert wurde. Neben den zinnernen Prospektpfeifen gingen drei der vier Zungenregister verloren. Immerhin 27 der 30 Register sind erhalten und mithin 90% der Pfeifen sowie die gesamte technische Anlage.

Dies waren günstige Voraussetzungen für die denkmalgerechte Restaurierung 2007-2008, die den Originalzustand wieder herstellte. Zwei kleine Ausnahmen sind hier anzufügen: Der Tremulant für das Oberwerk wurde beibehalten, erhielt aber einen neuen, unauffälligen Registerzug, ebenso wurde das umgestellte Gedackt 8' beibehalten, um die ungewöhnliche Besetzung der Grundstimmen des Oberwerks aufzufüllen. Mit dem hergestellten Originalzustand von 1873 verkörpert die Orgel nun wieder das Klangideal von Komponisten wie Mendelssohn, Merkel, Rheinberger und Brahms.

Besonders bemerkenswert sind:

  • das voluminöse, majestätische volle Werk des Hauptwerks
  • das ungemein helle, fast wie bei Silbermann klingende Pleno des Oberwerks
  • die außergewöhnlich zarten Schwellwerksstimmen Salicional und Flauto traverso
  • die ungewöhnlich kraftvollen Zungenstimmen Trompeten und die Oboe
  • das dunkle, grundtönige Pedal, das vor allem durch denTrompetenbassaufgehellt wird

Restaurierte Kreutzbach-Orgel, Stadtkirche zu Frauenstein

Friedemann Birke, Dirk Pfeiffer und Sebastian Markgraf beim Einsetzen der Prospektpfeifen

Beim Transport und Aufbau sind größte Umsicht ebenso  wie Kraft gefragt Chefrestaurator Helmut Werner mit den umfangreichen Planungs- und Forschungsunterlagen

André Gude beim Stimmen der Quinte 2²/³’ des Hauptwerkes

André Gude beim Stimmen der Quinte 2²/³’ des Hauptwerkes

Fotografie oben:
Foto-Böhme, Frauenstein (Marion Böhme, Detlev Müller)

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