Im Zuge der Sanierung
der Kathedrale St. Florin in Vaduz wird nun
auch die Steinmeyer-Orgel aus dem Jahr 1873 restauriert. Ein Projekt außergewöhnlichen
Ausmaßes.
Vaduz. – Als feststand, dass die Kathedrale St. Florin in
Vaduz dringend saniert werden muss, sollte im Zuge dieser Sanierung auch
die Orgel ihre regelmäßige Revision erfahren. In der Zwischenzeit
ist aus diesem Vorhaben ein Großprojekt geworden, im Zuge dessen
die Orgel eine „Sanierung im restaurativen Sinn“ erfahren
soll. Ein Unterfangen, das viel Know-hows und Leidenschaft bedarf und
das keineswegs alltäglich ist. Bewegte
Geschichte „Die Orgel in St. Florin hat eine bewegende
Geschichte hinter sich, in der sie vier bis fünf mal malträtiert
wurde“, weiß Josef Frommelt zu berichten. In seiner Funktion
als Vorsitzender der Orgelkommission hat sich Frommelt intensiv mit der
Vorgeschichte des Instruments beschäftigt, als die Gemeinde Vaduz
diese beauftragte, die Sanierung fachmännisch zu betreuen.
Klangschwächen und wetteranfällig
„Fachleute haben gegenüber der Gemeinde Vaduz mehrfach beklagt,
dass die Orgel klanglich nicht überzeuge, wetteranfällig sei
und sich zur Begleitung von Chor- und Orchesterwerken nicht eigne“,
weiß auch Martin Laukas, als Vertreter des Bauamts Vaduz, ebenfalls
Mitglied in der Orgelkommission, zu berichten. Während die Sanierung
des Innenraums (…) keine außergewöhnlichen Arbeiten darstellt,
ist die Sanierung einer Orgel schon etwas ganz Besonderes. Deshalb ist
Bauführer Laukas froh, dass er dabei auf die Unterstützung von
ausgewiesenen Fachleuten zählen kann. Fingerspitzengefühl
und Fachwissen
(…) „Eine Orgelsanierung benötigt Fingerspitzengefühl
und ein enormes Fachwissen“, erläutert Frommelt. Gezielt suchte
man nach Firmen, die sich vor allem auf die Sanierung und Rekonstruktion
von Orgeln spezialisiert haben. Nach einem Wettbewerb mit fünf namhaften
Orgelbauern aus der Schweiz und Deutschland, entschied sich die Kommission,
nachdem sie an mehreren Orten Orgeln angeschaut hatte, für die Orgelbauwerkstatt
Hermann Eule aus dem 900 Kilometer entfernten Bautzen in Sachsen.
Liechtensteiner Vaterland, 16.07.2010, Elisabeth Huppmann Kein
Neubau, sondern eine Restauration
Die Steinmeyer-Orgel in der Kathedrale St. Florin in Vaduz wird zwar nicht
neu gebaut, dennoch wird sich am Instrument so einiges ändern.
Vaduz. – „Es handelt sich nicht um einen Neubau, sondern um
eine Restauration“, werden die beiden Mitglieder der Orgelkommission,
Josef Frommelt und Martin Laukas, nicht müde zu betonen. Will heißen,
dass nicht nur das Gehäuse der Orgel bestehen bleibt, sondern auch
der Großteil der Pfeifen und die original erhaltenen Register nur
überholt und nicht neu gebaut werden. Ein Unterfangen, das vonseiten
der Orgelbauwerkstatt enormes Know-how und fingerspitzengefühl fordert.
Doch die Kommission ist sich einig, dass die Orgelbauwerkstatt Hermann
Eule aus dem sächsischen Bautzen dieser Aufgabe mehr als gerecht
werden wird. Zweieinhalbjährige Restauration
Bei der Auswahl der Orgelbauwerkstatt war Auschlag gebend, dass sich die
Firma Eule auf Steinmeyer-Orgeln spezialisiert hat und der seit 1872 tätige
Betrieb auch über das nötige Know-how verfügt. Diese Firma
wird nun in den kommenden zweieinhalb Jahren die Restauration vornehmen,
stets mit dem Ziel, „so nah wie möglich an das Original heranzukommen“.
(…) Zwei Neuerungen notwendig
Einige Neuerungen wird es aber auch dieses Mal geben. Zum einen wird die
Windversorgung komplett erneuert und zum anderen wird die Orgel, die wieder
mit der ursprünglichen Stimmung von 435 Hertz gestimmt wird, mit
einer Begleitorgel, die auf die heute üblichen 440 Hertz gestimmt
ist, ergänzt. So ist es künftig möglich, Orchester- und
Chorwerke aufzuführen, ohne dass dies für die Musiker große
Umstellungen bedeutet. (…) „Gut
Ding will Weile haben“
Zwar hat die Sanierung mit dem Ausbau der Pfeifen erst diese Woche begonnen,
doch sind sich heute schon alle Beteiligten einig, dass das Endergebnis
eine Bereicherung für Vaduz und das Land Liechtenstein darstellt.
Doch bis die Werke Rheinbergers in Vaduz in nahezu gleicher Klangqualität
wie vor über 130 Jahren erklingen werden, dauert es noch ein Weilchen.
Erst in der zweiten Jahreshälfte 2012 soll die neue Orgel eingebaut
und nach längerer Akklimatisationsphase vom Chefintonateur Gregor
Hieke auf die Raumakustik gestimmt werden. Die feierliche Wiedereinweihung
– und damit der Abschluss eines außergewöhnlichen Großprojekts
– ist für den 2. Februar 2013 geplant. Zur
Geschichte der Orgel 1871 hat Fürst
Johannes II. den großen Komponisten und Lehrer Joseph Gabriel Rheinberger
beauftragt, für den Bau einer Orgel in der neu erbauten Kirche in
Vaduz einen guten Orgelbauer zu suchen. Rheinberger hat in einem Brief
vom 17. September 1871 den Orgelbauer Georg Friedrich Steinmeyer in Öttingen,
Bayern, angefragt, ob er eine Orgel in die Kirche seines Heimatortes Vaduz
einbauen würde. Die Wahl Rheinbergers fiel auf diese Firma, weil
Steinmeyer neben Eberhard Friedrich Walcker und Wilhelm Sauer der damals
berühmteste Orgelbauer Süddeutschlands war. Steinmeyer willigte
ein und die Orgel wurde 1873/74 erbaut. Steinmeyer hat seine Orgel mit
besonderem Bedacht auf Farbigkeit, orchestrale Dynamik und Grundtönigkeit
disponiert. Vaduz stellt dafür ein typisches Zeugnis dar. Gerade
dies hat spätere Generationen, die dem jeweils modernen Zeitgeschmack
huldigten, zu teils recht radikalem Umgang mit Steinmeyers Orgeln angespornt.
Die meisten seiner großen Orgeln sind inzwischen durch Neubauten
ersetzt oder radikal in Klang und Technik verändert. Umso bedeutender
ist der in Vaduz erhaltene Bestand – immerhin 25 der einst 33 Pfeifenregister,
darunter die seltenen, weil im 1. Weltkrieg fast überall ausgebauten,
originalen Prospektpfeifen aus Zinn. Wohl aus Respekt gegenüber Rheinberger
wurde ein großer Teil der Register Steinmeyers übernommen und
blieb sogar vor einer Umintonation verschont. Für die damalige Zeit
ist diese Tatsache außergewöhnlich, für die heutige Generation
ein Glücksfall. Trotz Umbauten an der Windversorgung, der Elektrik
und klanglichen Korrekturen blieb die Steinmeyer’sche Kernsubstanz
weitestgehend erhalten.
Liechtensteiner Vaterland, 17.07.2010, Elisabeth Huppmann
Alles andere als alltäglich
Vaduz. – Es ist ein außergewöhnliches und nicht minder
eindrückliches Unterfangen, der Ausbau einer Orgel. Weniger für
die drei Arbeiter der mit der Sanierung beauftragten Orgelbauwerkstatt
Hermann Eule als vielmehr für den Durchschnittbürger, der –
wenn überhaupt – eine Orgel nur in ihrem fertigen Zustand und
Erscheinungsbild kennt. Umso spannender war es in dieser Woche, den Abbauarbeiten
in der Kathedrale beizuwohnen. Denn mit jeder ausgebauten Pfeife und jedem
neuen Einblick in das Gehäuse der Orgel stieg die Bewunderung und
Ehrfurcht für dieses Instrument.
Gehäuse komplett ausgehöhlt
Das Besondere an der Sanierung der Vaduzer Orgel ist der Umstand, dass
das Originalgehäuse bestehen bleibt (…). Zwar werden alle Pfeifen
ausgebaut, aber nicht alle werden nach der Sanierung wieder eingebaut
(…). Dies hängt mit der Rückführung der Steinmeyer-Orgel
in ihren Originalzustand zusammen. Doch stattliche 967 Pfeifen, darunter
auch die außergewöhnlichen Prospektpfeifen, wurden am Ende
der Woche per LKW abtransportiert. (…) Prädestiniertes
Orgelwerk
Zweieinhalb Jahre hat die Firma Eule nun Zeit, die Orgel in ihre klangliche
Farbigkeit von 1874 zurückzuversetzen. Zusammen mit den Begleitregistern
wird die „neu-alte“ Orgel 42 Register haben, die von drei
Manual- und einer Pedalklaviatur aus angespielt werden. Zusätzlich
wird eine elektronische Speicheranlage den Organisten den spielerischen
Komfort geben, der heutzutage Standard ist. Mit diesen Maßnahmen
erhält Vaduz ein für die Wiedergabe von Rheinbergers Orgelliteratur
und für die gesamte Orgelmusik der Hoch- und Spätromantik prädestiniertes
Orgelwerk, das sich sowohl für den gottesdienstlichen Bedarf wie
für Begleitaufgaben eignet. Bis Februar 2013 muss man sich allerdings
mit einer kleinen Ersatzorgel zufriedengeben. |
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