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Auf Spurensuche im 18. Jahrhundert
 
Helmut Werner ist Chef-Restaurator bei der Bautzener Firma Eule. Er arbeitet an Orgeln, an denen schon Bach und Silbermann
tätig waren.
 
Christoph Scharf
 
Die wichtigsten Werke in seinem Arbeitsleben hat Helmut Werner hinter Glas gerahmt: Neben der Tür hängt ein großformatiges Foto der Orgel in der Schlosskirche Altenburg, über dem Schreibtisch ein Bild des Instruments in der Naumburger St. Wenzel-Kirche. Die Fotos sind der deutlichste Beweis, dass die Musik beim Chef-Restaurator der Bautzener Orgelbaufirma Eule im Mittelpunkt steht.
 
Immer wieder Archivarbeit
Ansonsten lässt sich das in seinem Büro erst auf den zweiten Blick erkennen: Auf dem Arbeitstisch stapeln sich Bücher und Kopien, in Holzkisten und Ordnern sind Akten über Akten untergebracht. Eine Wand ist bis unter die Decke von einem Bücherregal bedeckt. „Der erste Schritt bei einer Restaurierung ist immer die Archivarbeit“, sagt der 65-Jährige.

So kommt es, dass der Orgelbaumeister sich nicht nur mit der Tischlerei, Klempnerei, Mathematik und Physik auskennen, sondern auch mit alten Handschriften und lateinischen Begriffen klarkommen muss. Sonst könnte der Bautzener gar nicht lesen, was Johann Sebastian Bach 1746 an der Naumburger Hildebrandt-Orgel kritisierte und umbauen ließ - oder welche Pfeifen der Altenburger Herzog im Ersten Weltkrieg einschmelzen ließ. „Wir verfolgen genau, was mit einem Instrument in den Jahrhunderten passierte“, sagt der mehrfache Vater und Großvater.
 
Konsequenzen für Jahrzehnte
Auskunft gibt nicht nur das langwierige Aktenstudium, sondern auch der fachmännische Blick auf das in den Jahren nachgedunkelte Holz. Ausgebesserte Stellen, Reparaturen mit Klebeband oder unpassende Elektro-Installationen: Die wertvollen Orgeln mussten viel über sich ergehen lassen, bevor sie in die Werkstatt an der Wilthener Straße kommen. „Oft geht es darum, sie so weit wie möglich in den Ursprungszustand zu versetzen“, sagt Helmut Werner. „Aber wenn ein berühmter Musiker wie Bach später etwas daran verändert hat, bleibt das meistens erhalten.“ Am Ende ist jede Restaurierung ein Einzelfall - und der Restaurator muss bedenken, dass seine Entscheidungen für Jahrzehnte oder noch länger Konsequenzen haben.
 
„La Paloma“ als Skelett
Dabei kam der gebürtige Pirnaer mehr oder weniger zufällig in die Branche. 1962 suchte er nach seinem Abitur eine Nische, wo er trotz seiner Weigerung, Wehrdienst zu leisten, Fuß fassen konnte. Bei der Firma Eule erlernte er deshalb den Orgelbau. Die Spezialisierung als Restaurator folgte ähnlich spontan: Ab 1974 stand die Wiederherstellung der Altenburger Trost-Orgel an - die jetzt als Bild neben seiner Tür hängt. „Damals wurde in der Firma gerade ein Restaurator gesucht, für mich war das ein Sprung ins kalte Wasser.“ Das 270 Jahre alte Instrument wuchs ihm während drei Jahre langer Arbeit immer mehr ans Herz. Dabei verbarg sich drinnen nicht nur der Staub der Jahrhunderte, sondern auch eine verweste Taube. Deren Skelett hängten die Restaurateure zur Erbauung der Organisten mit der Beschriftung „La Paloma“ - zu deutsch: Die Taube - mit einem Draht im Orgel-Inneren an die Decke. „dort schwebt sie heute wohl noch immer“, sagt Helmut Werner lächelnd.
 
Er spielt lieber Klavier
Erst nach diesem Streich nahm der Orgelbaumeister ein Fernstudium der Instrumenten-Restaurierung auf. In Berlin und Leipzig lernte er nicht nur wichtige Techniken, sondern auch Marxismus-Leninismus und Russisch. „Das war damals von Bedeutung - obwohl es gar keine bekannten russischen Orgelbauer gibt.“ Ihm sind die durch die Epochen unterschiedlichen Arten, eine Orgel zu stimmen, viel wichtiger. „heute klingt dagegen alles gleich.“ Selbst spielt der reisefreudige Buchliebhaber aber lieber Klavier. „Orgel kann ich nur ein Bissel.“
 
Erst Meister, dann Restaurator
 
Restauratoren im Orgel- und Harmoniumbauerhandwerk sind hochqualifizierte Fachleute, die sich auf die Restaurierung und
   Rekonstruktion von meist sehr wertvollen Instrumenten spezialisiert haben.
 
Sie arbeiten vorrangig in Museen mit Restaurierungswerkstatt für historische Instrumente oder sind als Selbstständige tätig.
   Darüber hinaus sind sie auch in Betrieben des Instrumentenbaus beschäftigt.
 
Für den Beruf ist eine Weiterbildung nach der Handwerksordnung im Anschluss an die Meisterprüfung nötig. Lehrgänge vor der
   Prüfung werden in der Regel in Vollzeit durchgeführt und dauern zehn Monate.
 
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