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Die neue Orgel wird in vollständiger Stille gestimmt
 
Auf diesen Moment hat man im St. Petersburger Konservatorium fast 20 Jahre gewartet. Im Glasunov-Saal wurde begonnen, eine Orgel
aus Deutschland zusammenzusetzen.
Ungeachtet der beeindruckenden Abmessungen des Instruments entspricht die Arbeit des Montageteams der Genauigkeit von Juwelieren.
Alle sprechen von der Einmaligkeit des Instrumentes, das 39 Mio. Rubel kostet. Aber in Wirklichkeit kann man sich davon erst im Oktober
überzeugen, wenn das erste Konzert stattfindet.
 
 Reportage der NTV-Korrespondentin Maria Saposhnikova
 
Im Saal des Konservatoriums fliegen die Späne. Das präzise Instrument wird mit Hammer und Hobel zusammengesetzt, wobei die
Hände ständig abgewischt werden, damit die Metallteile nicht wegrutschen. Jedes Detail der Orgel wird auf den Millimeter angezogen,
um Vibrationen während des Klanges zu vermeiden. Eine Hand mit einer schwedischen Rockgruppe gewidmeten Tätowierung klebt
feinfühlig hölzerne Teile.
Indem sie ein altertümliches Instrument aus der Epoche des Barock zusammensetzt, bleibt die Montagemannschaft aus Deutschland
ihren musikalischen Vorlieben treu. Die neue Orgel soll buchstäblich in den alten Rahmen aus dem Ende des XIX. Jahrhunderts hinein-
wachsen. Deshalb ist die Technologie der Montage einmalig.
Daniel Zaretzky, Dozent des Lehrstuhls für Orgel und Cembalo des St. Petersburger Konservatoriums: „Wenn das eine völlig neue Orgel
ohne alte Fassade wäre, würde sie von unten nach oben und von hinten nach vorne montiert werden. Bei dieser Orgel bilden die Seiten-
wände aber bestimmte Begrenzungen, und große Teile kann man nur schlecht durch den Prospekt nach innen transportieren.
Deshalb wurde auch ein Gerüst gestellt.“
Das sieben Meter hohe Gerüst reicht faktisch bis unter die Decke. Damit kann man das gesamte Volumen des berühmten Glasunov-
Saales ermessen, 4.000 m² Fläche und eine einmalige Akustik.
Deshalb wird die Intonation der Orgel mit besonderer Sorgfalt durchgeführt. Gestimmt wird das Instrument am Ende des Sommers
in völliger Stille. Dann ist sie von außen wie eine historische Orgel. Im Inneren befindet sich aber eine moderne Füllung. Tasten im Stil
des auslaufenden XIX. Jahrhunderts, praktisch aber mit Computersteuerung.
Daniel Zaretzky, Dozent des Lehrstuhls für Orgel und Cembalo des St. Petersburger Konservatoriums: „ Es sind unterschiedliche
Indikatoren eingebaut, die dem Organisten helfen, sich eines modernen elektronischen Speichersystems zu bedienen. Man kann vorher
beliebige Tonzusammenstellungen vorbereiten, die dann während des Konzertes in irgendeinem Moment bequem übernommen werden.“
Jetzt ist es innerhalb des Instrumentes schwer zu verstehen, wo Gerüste und wo Holzteile der Orgel sind. Zur Zeit ist es wie die Katze
im Sack. Keiner kann genau sagen, wie es klingen wird. Das wird erst in einigen Monaten nach der Stimmung klar sein. Denn jede Orgel
hat ihre unverwechselbare Stimme. Ohne jede Bescheidenheit bezeichnen die Mitarbeiter des Konservatoriums diese Orgel als die
beste Russlands. Das neue Instrument eröffnet den Studenten den Weg zu ausländischen Musikwettbewerben.
Sergej Stadler, der die Verantwortung des Rektors des Konservatoriums wahrnimmt: „In den letzten 20 Jahren konnten im Konservatorium
keine ernsthaften Orgelkonzerte durchgeführt werden. Das hat sich auf die Studenten ausgewirkt. Weil man, um es zu lernen, unter den
Händen ein vollwertiges Instrument haben muß.“
Nun sind die Korridore des Konservatoriums von Kisten mit Orgelteilen vollgestellt. In Erwartung des einzigartigen Instruments schieben
die Studenten vielfarbigen Flitterkram beiseite, in den sorgfältig 4.000 Orgelpfeifen eingewickelt waren.
 
Deutsche Übersetzung: P.A.R.U.S. 11.04.2009
 
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