Spieltischdetail vor der Restaurierung
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Neuhausen a. d. Fildern, St. Petrus und Paulus - Walcker Orgel
Restaurierung
 

Die Vorbedingungen für eine Restaurierung der Orgel sind günstig:
Die technische Anlage der Orgel ist - bis auf das später veränderte Balg-
system - vollständig erhalten, natürlich mit entsprechenden Abnutzungser-
scheinungen im Laufe von 150 Jahren Gebrauch. Von der ursprünglichen
klanglichen Substanz der Walcker-Orgel sind ca. 80 % vorhanden,
dabei sind jedoch sämtliche offenen Pfeifen durch Höherstimmung der
Orgel in den Jahren 1922 und 1965 gekürzt worden.

Nach genauer Untersuchung der Orgel im Kontext mit dem von Kirchen-
musikdirektor Rudi Schäfer, Schramberg, ausgearbeiteten Gutachten
entsteht eine Restaurierungskonzeption, die in den Jahren 2003 - 2005
umgesetzt wird:

 
- Untersuchungen zur ehemaligen Gestalt des Orgelgehäuses
Anfertigung einer maßgetreuen Zeichnung
Bau des Gehäuses in Abstimmung mit der Kirchgemeinde und den
Denkmal behörden
   
- Untersuchungen des Pfeifenbestandes zur Ermittlung der ursprünglichen Disposition und Zusammensetzung der gemischten Stimmen sowie der
ursprünglichen Tonhöhe
   
- Restaurierung des Walcker-Bestandes an Metall- und Holzpfeifen mit
Anlängung der offenen, auf Tonlänge gestimmten Pfeifen, da diese 1922
und 1965 gekürzt worden waren
   
- Rekonstruktion von 6 vollständig fehlenden Registern nach Vorbild aus
anderen Walcker-Orgeln (Hoffenheim, Buenos Aires) bzw. aus Maß-
analysen der Pfeifen der Neuhausener Orgel
Rekonstruktion von den in den Jahren 1922 und 1965 in Zink ersetzten
Einzelpfeifen
   
- Instandsetzung der Walckerschen Kegelwindladen mit Neubelederung
der 1566 Kegelventile, Aussetzen von Rissen, Erneuerung verwurmter
Teile, Rückbau veränderter Pfeifenstöcke
   
- Instandsetzung des Spieltisches und der Tonmechanik mit Überarbeitung
der Klaviaturen und Registerzüge, Rekonstruktion der Pedalklaviatur und
Orgelbank nach Walcker-Vorbild, Rekonstruktion veränderter Teile der
Tonmechanik
   
- Zur Erleichterung der schweren Spielart der Manuale wurde nunmehr
eine Barker-Spielhilfe, vergleichbar einer Servo-Lenkung, eingebaut.
Diese Hilfe wirkt rein additiv zur bestehenden historischen Anlage;
die Orgel ist auch ohne Zuschaltung dieses Barkers wie bisher - also
relativ schwer - spielbar.
   
- Neuanlage der Windversorgung der Orgel unter Einbeziehung eines
Magazinbalges, den 1900 Fa. Weigle, Echterdingen, eingebaut hatte.
   
Nach diesen technisch notwendigen Arbeiten wurde das Orgelwerk auf ein
neu errichtetes Podest aufgestellt, das in seiner Höhe etwa dem ursprüng- lichen Standort der Orgel entspricht. Damit ist eine ideale Abstrahlung des
Klanges in den Kirchenraum möglich geworden.
 
 
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Entwurf Gehäusekonstruktion, Burkhart Goethe
Originale Beschriftung eines Registers