Vor der Restaurierung - Beschädigungen im Spielschrank
Orgelbaumeister Dirk Pfeiffer beim Löten von Prospektpfeifen
Andreas Huth beim Löten der rekonstruierten Metallpfeifen
Sang Ook No mit dem neu belederten Regulatorbalg
Christoph Herz beim Abrichten der Windladen
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Frauenstein, Stadtkirche - Richard Kreutzbach Orgel
Restaurierung
 

Richard Kreutzbach hat die Orgel 1873 sehr solide gebaut. Man spürt in
der Gesamtanlage und auch in den Ausführungen im Detail, dass
Kreutzbach mit dieser Orgel dem Genius loci, den Gottfried Silbermanns
Vorgängerorgeln geschaffen hatten, nicht nachstehen und etwas Adäqua-
tes schaffen wollte. Verschiedene Bauprinzipien wie die Anlage der
Register- und Tonmechanik sind vergleichbaren Silbermann-Werken direkt
entlehnt.
Trotz solider Ausführung war nach nunmehr 135 Jahren Gebrauch an ver-
schiedenen wichtigen Teilen Verschleiß eingetreten, der zunehmend zu
Störungen führte. Nur eine sehr gründliche Instandsetzung konnte hier
dauerhaft Abhilfe schaffen, die u.a. den erstmaligen Ausbau der Windla-
den erforderlich machte.

Nach Abstimmung der Restaurierungskonzeption mit den zuständigen
Orgelsachverständigen, Herrn Dr. Horst Hodick und Herrn Reimund
Böhmig-Weißgerber, sowie dem langjährigen Kantor und Organisten,
Herrn Peter Kleinert, erfolgte als erstes der Ausbau des Metall- und Holz-
pfeifenwerks, das sorgfältig in Kisten verpackt, in die Werkstatt nach
Bautzen transportiert wurde. Dort wurden Deformationen im Metall besei-
tigt, Risse nachgelötet, geschwächte Pfeifen stabilisiert. Die Holzpfeifen
wurden instandgesetzt. Hier hatte Kreutzbach Holz verwendet, das nicht
genug ausgetrocknet war, entsprechend viele Risse waren im Holz ent-
standen, die aufwendig ausgespänt werden mussten.

Ein ähnliches Problem wiesen die Windladen auf, auch hier waren durch
Verwendung zu wenig getrockneter Hölzer zahlreiche Risse entstanden,
die in aufwendiger Kleinarbeit abgedichtet werden mussten. Offenbar
konnte Kreutzbach nicht aus einem solchen Vorrat gut ausgetrockneter
Hölzer schöpfen wie Silbermann.

Im Einzelnen wurden durch die Restauratoren des Eule Orgelbau Bautzen
unter Leitung von Chefrestaurator Helmut Werner und Montageleiter
Friedemann Birke an den Teilen der Orgel folgende Arbeiten ausgeführt:

 
Spielschrank:
- Ausbau und Instandsetzung der Klaviaturen
- Restaurierung der Registerzüge
- Wiederherstellung des Tritts zum Schwellschrank
- Restaurierung der Orgelbank
- Neuanlage der Beleuchtung
- Aussetzen von Furnierschäden und Nachpolieren
- Neubau des Notenpults
 
Tonmechanik:
- Ausbau und Instandsetzung aller Abstrakten
- Instandsetzung der Wellenbretter und Winkelleisten
- Auswechseln von zu straffen Federn gegen leichter gehende, um die
sehr zähe Spielart der Tonmechanik zu verbessern
- Überarbeitung sämtlicher Lagerstellen der Tonmechanik mit dem Ziel der Minimierung der Tastendrücke und des Geräuschpegels der Mechanik
 
Registermechanik:
- Abbau der gesamten Anlage "Ausbuchsen von ausgespielten Lager-
stellen mit Hartholz "Entrosten der Eisenteile
- Wiedereinbau und Regulierung
 
Windladen:
- Vollständige Demontage in die Einzelteile
- Ausspänen der zahlreichen Risse und offenen Leimfugen
- Ausgießen der rund 200 Kanzellen mit Leim
- Abrichten der verzogenen Ladenober- und -unterseiten
- Richten verzogener Schleifen
- Beledern der Ladenunterseiten
- Neubeledern der Spielventile
- Sorgfältiges Aufpassen der Pfeifenstöcke
- Rückbau der veränderten Pfeifenstöcke zur Aufnahme der rekonstruier-
ten Register
 
Balganlage:
- Instandsetzung der vier erhaltenen originalen Kastenbälge
- Entwicklung und Einbau einer durch eine elektromechanische Aufzugs-
anlage für die Kastenbälge und imitieren nun - historisch getreu - den
Betrieb durch Balgtreter
 
Schwellwerk:
- Wiedereinbau der Jalousien und der Betätigungsmechanik für die vier
schwellbaren Register des Oberwerks (II. Manual)
- zum Teil noch vorhandene Elemente wurden dabei wieder verwendet,
fehlende ergänzt
 
Pfeifenwerk:
- Reinigung und Instandsetzung des vorhandenen originalen Pfeifenwerks
- Neubau der vorn sichtbaren Prospektpfeifen von Principal 8' des Haupt-
werkes (27 Pfeifen) und Principal 8' des Oberwerks (13 Pfeifen)
- Wiederherstellung der Disposition von 1873 durch den Nachbau der
fehlenden Zungenregister:
    Trompete 8' im Hauptwerk
    Oboe 8' im Oberwerk
    Trompete 8' im Pedal
- Rekonstruktion fehlender Einzelpfeifen
- Neuverleimen aufgesprungener Holzpfeifen
- Neuanfertigung von zahlreichen Spundgriffen von Holzpfeifen in der Bau-
weise Kreutzbachs anstelle von fremden, nachträglich hinzugefügten
mangelbehafteten Griffen
 
Helmut Werner
Chefrestaurator
 
 
Geschichte
Disposition
 
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Risse an der Windlade - Behelf mit Auslassbohrungen und Klebeband
Fast wie bei Kreutzbach - restaurierter Ventilkasten des Fortepedals
Pfeifenstöcke mit aufgeleimten Tuchscheiben
Manualklaviatur während der Instandsetzung
Prospektpfeifen-Füße werden hergestellt