Tontraktur im Inneren der Orgel
Spieltisch während des Einbaues der Tontrakturen
Ansicht des Orgelprospektes, Konservatorium, St. Petersburg
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St. Petersburg, Russland - Konservatorium, Glasunow-Saal
Technik / Gestaltung
 
 
Technisches Konzept / Werkverteilung und Wartungszugänge
 

Die Konstruktion des neuen Orgelwerkes richtet sich nach den Abmes-
sungen des historischen Orgelgehäuses von 1897.

Bei unseren Überlegungen zur technischen Aufteilung und Anlage der
Windladen standen folgende Punkte an erster Stelle:

- Sämtliche Windladen für die drei Manualwerke liegen auf einem nahezu
gemeinsamen Höhenniveau, um klimatisch bedingte Verstimmungen der
Werke gegeneinander so weit wie möglich zu vermeiden.
- Das gesamte Pfeifenwerk ist durch ausreichend breite und bequeme
Wartungszugänge stimmtechnisch gut zu erreichen.
- Die Windladen mit ihrem Pfeifenbestand sollten klanglich so weit wie
möglich nach vorn in den Raum abstrahlen.
 
Aus diesem Grunde werden die beiden Windladen des Hauptwerkes
zentral in Orgelmitte angeordnet. Sie werden beidseitig flankiert von den
Windladen des Schwellwerkes (im Schwellkasten).
Zur besseren Klangabstrahlung leicht erhöht, sind zentral hinter dem
Hauptwerk die beiden Windladen des Positivs angeordnet.
Für die Windladen des Schwellwerkes wendeten wir ein besonderes Ver-
fahren an, welches sich in unserem Hause schon bei vielen Orgeln außer-
ordentlich bewährt hat, nämlich in der Hälfte der Ladentiefe über den
mittig angeordneten Ventilkästen liegende Stimmgänge.
 
- Infolge der mittig angeordneten Ventile werden zu lange Kanzellenwege
vermieden.
- Bei mehrfacher Zungen- und Mixturenbesetzung können diese Register
zu beiden Seiten des Stimmganges angeordnet und viel leichter ge-
stimmt werden. Die Zahl der hintereinander stehenden Zungenstimmen
wird somit um die Hälfte reduziert.
- Große, klangbehindernde Register können auf die für den Klangaustritt
günstigere Seite (z.B. hinten) angeordnet werden.
 
Im Fall der vorliegenden Planung bedeutet dies, geradlinige und direkte
Stimmzugänge zu haben:
Über den Aufstieg nach oben im Inneren der Orgel betritt man den Haupt-
stimmgang für das Hauptwerk und Positiv und gelangt von dort geradlinig
durch die Türen der Schwellkästen auf den Stimmgang der Windladen des
Schwellwerkes.
Die Windladen des Großpedals (Principalbass 16', Violonbass 16', Posau-
nenbass 16') sind klassisch-hinterständig positioniert, was sich klanglich
und windtechnisch außerordentlich bewährt hat. Aus Platzgründen wurden
die tiefen Pfeifen von Untersatz 32' im Balgraum hinter der Orgel mit
eigenen Windladen positioniert. Dies erforderte die Maueröffnung der
Orgelrückwand. Die beiden Kleinpedal-Windladen befinden sich vor den
Großpedalladen und sind "gestürzt", d.h. in der Achse des Konzertsaales
angeordnet. Man erhält so einen optimalen Zugang zu allen Pedalpfeifen.
Zum Schutz des Orgelwerkes wurden beidseitig des Durchganges
Zwischenwände mit Türen eingebaut, die jedoch zur Klangverschmelzung
klangdurchlässig gestaltet sind.
Die Windmaschine und gesamte Gebläseanlage mit ihren 5 großen
Doppelfaltenmagazinbälgen befindet sich im Raum hinter der Orgel. Gut
dimensionierte Holzkanäle versorgen alle Werke ausreichend mit Wind.
Die Spieltraktur ist rein mechanisch als "hängende Traktur" mit einarmigen
Tastenhebeln angelegt. Sie verläuft auf direktestem Wege von den Klavia-
turen zu den Spielventilen über Winkel, Wellenbretter und Wellenrahmen.
Die elektrische Registertraktur wird elektronisch gesteuert und verfügt
über 9.999 programmierbare Kombinationen. Die Schleifenbetätigung er-
folgt durch Schleifenzugmagnete, System "Heuss", neuester Bauart.
Die gesamte Stromversorgung, Elektrik / Elektronik befindet sich innerhalb
der Orgel.


Prospektgestaltung

Der historische Holzprospekt wurde beibehalten und mit einem neuen
Spielschrank versehen. Der Organist sitzt erhöht auf einem Podest.
Dafür werden die Mittelfüllungen des Gehäuses entfernt und die Gehäuse-
anschlüsse zum Spielschrank, wie dieser passend zum Stil von 1897,
eingefügt. Die Prospektpfeifen wurden neu angefertigt. Deren Pfeifenlinien
(Pfeifenmündungen und Pfeifenfüße) wurden nach einem Foto von
F. Bulla der Zeit von 1912 –13 rekonstruiert.


Intonation

Der individuellen Intonation, die jedem Register den ihm gemäßen Charak-
ter verleiht, wurde größte Aufmerksamkeit gewidmet. Die optimale
Ansprache jeder einzelnen Pfeife und die Schönheit des Einzeltones ist
das Kriterium der Intonation, für ein großes, vielseitiges Klangbild. Die gut
ausgebaute Grundstimmenpalette und die darauf aufbauenden stilistisch
gültigen Stimmen und Mixturen ermöglichen ein äußerst nuancenreiches
Spiel mit einer nahezu stufenlosen Dynamik.
Die Pfeifen wurden in der Werkstatt vorintoniert, mit genügenden Sicher-
heiten im Aufschnittbereich und den Tonlängen. Die endgültige Intonation
erfolgt im Konzertsaal mit dem notwendigen hohen Zeitaufwand.
 
Stimmung a' = 440 Hertz bei 18 Grad Celsius,
gleichstufig temperierte Stimmung
 
 
Armin Zuckerriedel
Orgelbaumeister
 
 
Konzeption
Technik / Gestaltung
Disposition
 
nach oben
Konzertsaal nach der Anlieferung der Orgelteile
Orgelbaumeister D. Pfeifer beim Einbau der Prospektpfeifen
Aufbau der Balganlage und der 32'-Pfeifen im hinteren Bereich der Orgel
Detailansicht des Orgelprospektes, Konservatorium, St. Petersburg