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Schwabmünchen
Kath. Stadtpfarrkirche St. Michael

 

Hermann Eule Orgelbau - opus 621, IV / 57
Erbaut 1999


Planung

Ausgangspunkt aller musikalischen dispositionellen Überlegungen war
ein großes Orgelwerk mit dem Duktus unserer sächsisch-mittel-
deutschen Orgeltradition des 18. und 19. Jahrhunderts. Insbesondere
die Klanggestalt Gottfried Silbermanns und die der darauf aufbauenden
späteren Orgelbauer wie Friedrich Ladegast, Eberhard Friedrich
Walcker und Hermann Eule, bildeten hierfür die Grundlage der Mensu-
ration. Nachweislich bestand bei ihnen auch eine gedankliche Nähe
zum französischen Orgelbau, so dass sich unschwer diese Klangele-
mente skizzenhaft einbinden ließen.
Ziel war es, mit diesem gedanklichen Ansatz, im Sinne eines einheit-
lichen regionalen Stils, jene Homogenität entstehen zu lassen, die ein
Instrument braucht, um eine Synthese klassischer und romantischer
Klangressourcen zu ermöglichen. Bereits im Registerbestand der ersten
beiden Manuale, in denen der stilistische Grund des 18. Jahrhunderts
gelegt ist, sind weiterführende Stimmen des 19. Jahrhunderts enthalten.
Damit ist der fließende Übergang gegeben zum romantisch intendierten
dritten Manualwerk, in dem wiederum ein französisch mensurierter
Zungenchor verschmelzend einbezogen ist. Das französisch mensurier-
te 4. Manual ist als Solowerk zum Spiel ausgeprägter Melodien
vorgesehen.


Gestaltung

Prospektentwurf Burkhart Goethe, Schwäbisch Hall
Für uns Orgelbauer war die klangliche, technische und formgebende
Gestaltung eine Freude, weil der relativ schlichte, wohlproportionierte
Raum uns weite Freiheiten ließ. Entstanden ist ein großes, prachtvolles
Orgelwerk "ad majorem Dei Gloriam".
Seine fünf mächtigen Hauptachsen strecken sich majestätisch in die
Höhe des Raumes, ihre ein- und auswärts geschwungenen Formen
stellen eine zeitgemäße Reminiszenz zur Formsprache süddeutscher
Orgelprospekte dar.
Die sogenannten "Schleierornamente" über und vor den Pfeifenab-
schlüssen werden aus Elementen gebildet, die der gregorianischen
Notenschrift entlehnt sind.

Farbgestaltung Jaques Gassmann, Poznan
In der Dualität von Materialität der Orgel an sich und der Immaterialität
der Klangwelten, die diese erzeugt, entschlüsselt sich dieser Farbkos-
mos von Jaques Gassmann. An das Erdverbundene, somit Irdische,
hier in allen Variationen der Farbe Braun, von hellster bis dunkelster
Tönung, hat Gassmann ein Himmelblau gelegt, das bis ins Ätherische
hinein die Möglichkeit des Blaus von der Dämmerung bis hin zum Zenit
des Lichtes ausschöpft. Die Tuschen, in lasierender Technik aufgetra-
gen, ordnen die Details des Instruments und verleihen ihm den Aus-
druck erzeugter Bewegung durch die gestalterische Freilegung visueller
Kräfte.

 
 
Disposition
 
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Eule-Orgel in der kath. Stadtpfarrkirche St. Michael, Schwabmünchen