| Hermann Eule
Orgelbau - opus 606, II / 22
Erbaut 1995
Gestaltung
Auf der Suche nach einer mit der Architektur des Raumes harmonie-
renden Orgelgestaltung gehört die Herausbildung eines modernen
Prospektentwurfes wohl zu den aufregendsten Möglichkeiten. Gilt
es
doch, nicht irgendeine modische Fassade mit Hilfe von Orgelpfeifen
zu entwerfen, sondern das unbedingte Miteinander von Gestalt,
Technik, Klang und solider handwerklicher Ausführung als Ausdruck
unserer Zeit sichtbar zu machen. Dies alles mit dem Anspruch einer
gültigen Form über viele Jahrzehnte hinweg. So folgt auch
bei dieser
Orgel die proportionale Grundgestaltung des Prospektes der Stellung
der einzelnen Werke im Innern des Instrumentes. Mittig oben steht
mit dem Akzent des vergoldeten Zimbelsterns das Hauptwerk.
Darunter, verziert mit der "klingenden Sonne", das Brust-
oder
Schwellwerk. Beide Werke werden flankiert von den Pfeifen des
Pedalwerkes. Gefasst werden die Pfeifenfelder von weiß lasierten
Rahmen aus Fichtenholz, mit Ornamenten verschiedenartiger Natur-
hölzer besetzt. Wie Gegenwart nur aus der Geschichte heraus
verstanden werden kann, wird das Anliegen des Gestalters deutlich -
den Brückenschlag zu finden vom Jahrhundert der Orgelbaukunst
eines Gottfried Silbermann bis hin zum 20. Jahrhundert, mit unserer
heutigen, dieser Tradition verpflichteten Bauweise im Wechselspiel
zeitgemäßer Gestaltungsmöglichkeiten.
Im Wissen um diese gestalterische Idee erschließt sich dem Betrach-
ter eine Vielzahl historischer Bezüge.
Gutachten
... Die Orgel ist ein kleines technisches und künstlerisches Universum.
Ihre reiche Musiksprache vermittelt Freude, ist Begleiterin in betrübten
Stunden und lädt zum Träumen ein. Wir sollen das Staunen über
unsere Welt nicht verlernen, denn das Leben mit der Natur gibt Kraft,
Freude und Trost ...
Dekan Philippi
aus der Weihepredigt am 8. Oktober 1995
|