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Vox strigis - Eulenruf
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Magdeburg
Kathedrale St. Sebastian

 
Hermann Eule Orgelbau - opus 637, III / 56
Erbaut 2005
www.st-sebastian-magdeburg.de


Konzeption

Die klangliche Konzeption umfasst ein drei-manualiges Werk mit Rück-
positiv, Hauptwerk, Schwellwerk und Pedal als möglichst universelles
Instrument in einer großen, stilistischen Bandbreite. Dies bedeutet jedoch
keinesfalls eine farblose Universalorgel, sondern eine gelungene Synthese
zwischen mitteldeutsch-klassischer Orgelbautradition und mitteldeutsch-
romantischer Bauweise (Ladegast, Sauer). So entstand ein ausdrucks-
volles Instrument, das noch durch bestimmte Komponenten französisch-
symphonischer Prägung (Zungenregister, überblasende Flöten) bereichert
wird. Eine zeitgemäße Fortführung dieser Klangfacette bildet das
aufgespaltete Cornet (Cornet décomposé) des Schwellwerkes, das sich
ausschließlich aus überblasenden Flöten zusammensetzt.
Das beinahe 3 Meter hohe Rückpositiv behauptet sich und schließt optisch
die Empore nach unten ab. Es liegt im richtigen klanglichen Schnittpunkt
und bietet die ausreichenden Resonanzräume für sein Pfeifenwerk, klingt
also nicht spitz nach unten, sondern weich in sich hinein - das Geheimnis
der alten Rückpositive.
Das hinter dem Hauptwerk aufgestellte Schwellwerk bekommt durch zu-
sätzlich seitliche und noch vor dem Turmbogen angelegte Jalousien eine
enorme expressive Ausdruckskraft, sowohl in seinem leuchtenden
Zungenchor als auch durch die von 16' bis 4' reichenden Streicher und die
überblasenden Flöten.

Das Instrument wurde von innen nach außen geplant: getreu dem Grund-
satz "Form follows function" wuchs die Prospektgestalt mit der klanglichen
Planung. Die >>himmelsstürmende<< Bewegung in das Gewölbe hinein
wurde in der Gestalt des Prospektes verstärkt aufgenommen.
Die Prospektfront wird mit "durchgeschossenen" Mittelpfeifen nach oben in
das Gewölbe aufgelöst. Auf diese Weise entsteht eine starke Vertikal-
bewegung, welche die technisch erforderliche Breite des Instrumentes so
kompensiert, dass der Orgelkörper schlank bleibt.
Auf Ornamente über den Pfeifen, sogenannte >>Schleier<< wurde verzich-
tet. Die mit Bienenwachs lasierte Oberfläche lässt die Struktur des Holzes
leben und gibt ihm einen warmen Grundton, der mit den übrigen Farb-
komponenten des Kirchenraumes harmonisiert. Lebendigkeit entsteht auch
durch die Licht- und Schattenwirkungen der eleganten Turmschwünge und
die Proportion der Orgel selbst, die zum größten Teil im Verhältnis des
>>goldenen Schnittes<< angelegt ist. Protagonisten der architektonischen
Form sind fast ausschließlich die Pfeifen - als genuiner Bestandteil einer
richtigen Orgel.

Burkhart Goethe
Orgelsachverständiger


Entwurf: Burkhart Goethe, Schwäbisch Hall
Disposition: Kathedralmusiker Matthias Mück
  Hermann Eule Orgelbau
Intonation: Gregor Hieke, Hermann Eule Orgelbau
 
 
Disposition
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Eule-Orgel, St. Sebastian, Magdeburg