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Lüchow, St. Johannis Kirche
Gestaltung
 
... der realisierte Entwurf orientiert sich in seiner Gesamtform an der Form
eines Baumes. Die aus der Mitte nach links und rechts aufsteigenden
Elemente, die zugleich die tragende Basis für die sichtbaren Metallpfeifen
im Prospekt sind, widerspiegeln die dynamische Kraft des Baumes, der
nach „oben“ ausgerichtet ist. Fächerartig entfaltet sich die Orgelskulptur
auf der Empore. In der Emporenbrüstung - ein in der Gesamtgestaltung
nicht zu unterschätzendes subtiles Element - wird die aufsteigende Struk-
tur konsequent aufgenommen.
Die Querschnitte der Säulen, die jeweils eine Kreuzform ergeben,
inspirierten mich zu Grundriss und Ansicht der Orgel.

Aus den grundsätzlichen Überlegungen heraus, wie eine Orgel funktioniert
und welche Elemente der Schöpfung dabei zum Tragen kommen, ergaben
sich Begriffe wie „Luft - Heiliger Geist - Wind - Pfingsten“ - und in diesem
Zusammenhang das Bild der „Feuerzungen“, die nach biblischem Zeugnis
die Jünger Jesu überkamen.

Die angeklungenen Pfingstgedanken setzte ich in der Gestaltung der
skulpturalen Elemente um:
in einem großen Mittelteil und in zehn kleineren Teilen. Ich empfand es als
eine besondere Herausforderung, die einzelnen Elemente so zu gestalten,
dass sie nicht ornamental wirken. Es sollte sich vielmehr ein „Gesamt-
klang“ einstellen. Für die Ausführung dieser Holzreliefs benutzte ich nicht
die traditionellen Werkzeuge wie Meißel und Hammer, sondern ich wählte
eine zeitgenössische Arbeitstechnik.
Die Lindenholzreliefs wurden fast ausschließlich mit der Kettensäge aus
der Fläche herausgesägt, überschliffen und in vielen Arbeitsgängen am
Ende mit echtem Blattgold überzogen. Der Einsatz der Kettensäge ergab
eine luftige, dem Feuer ähnliche Oberflächenstruktur, die dieses Thema in
bester Art und Weise unterstützt.

Erhöht wird dieser Eindruck durch die spezielle Rot-Grundierung und
durch das aufgebrachte Gold. Im großen Mittelteil wird das Pfingstthema,
fast verborgen, in Form einer „Taube“ am oberen Ende des Reliefs ange-
deutet. Es war nicht meine Absicht. Dieses Zeichen ist im Entwurfsprozess
auf geheimnisvolle Weise „hinzugekommen“.

An der Gestaltung der Details von Spieltisch und Orgelbank war mir in
gleichem Maße wie an den bereits erwähnten Grundlinien der Orgelskulp-
tur gelegen. Für die von den Orgelfachleuten sogenannten Manubrien -
die Griffe der Registerzüge - wollte ich eine einfache und ansprechende
Form. Aus verschiedenen von mir angefertigten Mustern wurde dann die
nun zur Ausführung gekommene Variante ausgewählt. Die Festlegung von
Holzart, Farbigkeit und Beschriftung ist ebenso aus dem gemeinsamen
Planungsprozess der an der Planung Beteiligten erwachsen.
Bei Orgelbank und Notenpultgestaltung ist die klare Gestaltungs-Hand-
schrift fortgesetzt worden.

Karl Imfeld
Bildhauer
 
 
Planung
Disposition
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Zeichnung, Karl Imfeld
Karl Imfeld, Orgelmodell im M 1 : 20, September 2003
Vergoldungsarbeiten am Holzrelief der großen Skulptur im Mittelteil