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Ebersbach / Sachsen
Ev.- luth. Kirche

 

Hermann Eule Orgelbau - opus 602, II / 39
Erbaut 1994, Gehäuse von 1685


Geschichte

Es war wohl selbstverständlich, für das neue Orgelwerk den vorhan-
denen, prächtigen Orgelprospekt von 1685 wieder zu verwenden, den
der Zittauer Tischler Heinrich Prescher schuf und dessen Schnitzwerk
Paul Hartmann aus Jena ausführte. Hinter diesem Prospekt, für die
Johanneskirche Zittau bestimmt, hatte im Jahr 1685 der Leipziger
Orgelbauer Christoph Dressel eine neue Orgel von 34 Stimmen
gesetzt.
Aber schon nach reichlich 50 Jahren, im Jahr 1738, musste diese
Orgel einem neuen Orgelwerk weichen, das Gottfried Silbermann für
die Johanneskirche erbauen sollte.
Die Ebersbacher Kirchgemeinde erwarb die Dressel-Orgel einschließ-
lich ihres ansehnlichen Prospektes bei einer Versteigerung für
750 Reichstaler. Dieses Orgelwerk existierte bis 1901.

Das Orgelgehäuse hat mehrmals Veränderungen erfahren:
Noch in der Johanneskirche von Zittau stehend, wurde um 1719 das
ursprüngliche Rückpositiv als Oberwerk über das Hauptwerk gesetzt.
Beim Aufbau in Ebersbach musste der Orgelprospekt dem etwas
engeren Raum angepasst werden, wobei vermutlich vor allem die
Position der Pedaltürme und die Höhe des Brustwerks geändert
wurden. Das Brustwerk bietet merkwürdigerweise nur eine Höhe von
1 1/3 Fuß. Die Ebersbacher Orgel hat wohl einen der schönsten
Orgelprospekte Sachsens.


Gutachten

Die Tontraktur, von den einarmigen Tasten direkt nach oben und über
Wellenbretter an die Windkästen der Manualwinden geführt, ist als
hängende Traktur angelegt, die eine angenehme und bei dieser Orgel
äußerst leichte Spielart bewirkt. Die Pedaltraktur, zum Klein- und
Großpedal führend, also pro Ton mit zwei Ventilen, ist ebenfalls sehr
elegant spielbar. Die Registertraktur der Orgel ist rein mechanisch
angelegt und mühelos leicht zu betätigen.
Zu den Windladen gelangt man über sicher angebrachte Leitern und
seitliche Gangbretter mit Geländer. Diese augenfällig geschilderten,
aber auch die hier nicht genannten Dinge bis in kleinste Detail hinein,
zeugen von einer ausgezeichneten Leistung der Konstrukteure
dieser Orgel. Auch die Ausführung der praktischen Arbeiten lässt eine
lange Erfahrung und bestes handwerkliches Geschick der beteiligten
Orgelbauer erkennen. Die Stellagen und Windkanäle, alles aus Holz
gefertigt, erinnern an den alten, bewährten Orgelbau des 17. und
18. Jahrhunderts. Die reichhaltige Disposition lässt vielfältige und
reizende Registerkombinationen zu. Die Klangverschmelzung der
Register ist optimal. Das Organo pleno ist von gravitätischer Art.
Die auf das Plenum bezogenen lingualen Stimmen im Hauptwerk und
Pedal geben der Orgel noch zusätzliche Klangkraft und einen
barocken Glanz, den das noch hinzuziehende, klassisch aufgebaute
(die ersten 5 Teiltöne enthaltende) und aus dem Brustwerkausschnitt
tönende Cornett unüberhörbar unterstreicht. Die vorzügliche Intona-
tion der Orgel, zielend auf einen warmen und fülligen Klang in den
Grundstimmen und auf Obertonreichtum mittels der Aliquoten und
gemischten Stimmen, ist besonders hervorzuheben.

Christoph Schwarzenberg

 
 
Disposition
 
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Eule-Orgel in der ev.-luth. Kirche, Ebersbach/Sa.