Orgelkommission
Peter Bartetzky, Organist
Marcus Strümpe,Organist
Prof. Roland Maria Stangier, Organist

Prospektentwurf
Götz Faubel-Gäb, Architekt
BUSMANN + HABERER
Company of Architects GmbH, Köln

Projektpartner
Orgelelektronik und Setzeranlage System Eule:
Ingenieurbüro Prof. Christian Schulz,
Hochschule für Technik Mittweida;
Prof. Detlev Müller, IMM Ingenieurbüro GmbH
Leipziger Strasse 32, 09648 Mittweida

Hermann Eule Orgelbau Bautzen
Konzeption und Planung:
Armin Zuckerriedel, Orgelbaumeister
Technische Leitung, Orgelelektronik:
Christoph Kumpe, Orgelbaumeister
Konstruktion, Spieltischbau:
Andreas Werner
Orgelelektronik, technische Montageleitung:
Ronny Hennersdorf, Orgelbaumeister
Mensuren, Intonation der Labialregister:
Gregor Hieke, Chefintonateur
Intonation der Zungenregister:
Johannes Adler, Intonateur
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Duisburg, CityPalais
Konzertorgel in der Mercatorhalle

 
Hermann Eule Orgelbau - opus 661, IV / 72
Erbaut 2009


Gedanken zur neuen englischen Orgel in der Mercatorhalle Duisburg

Nun ist sie eingezogen, die Königin der Instrumente. 72 Klangfarben,
verteilt auf 4 Manuale und ein Pedal, die wiederum mit 19 Koppeln vielfältig
miteinander kombiniert und verbunden werden können, sowie 4.349 Pfeifen
und 37 Stabglocken ergeben einen außergewöhnlich vielseitigen und
reichhaltigen Klangapparat, der die Orgel der Duisburger Mercatorhalle zu
einem außergewöhnlichen, ja bisher in Deutschland einzigartigen großen
Konzertsaalinstrument macht.

Bereits am 8.6.2009 trafen die ersten Orgelteile in der Mercatorhalle ein.
Zuvor waren die Orgelraumverkleidungen entfernt, Durchbrüche durch die
Betonwand zum Balgraum geschaffen und der Orgelfußboden montiert
worden, ein großes Montagegerüst entstand. Der zur Hälfte leer geräumte
Saal diente als großes Orgelteilelager. Bis Ende Juli 2009 dauerte der
technische Aufbau der Orgel. Danach gingen unsere vier Intonateure ans
Werk. Register für Register wurde eingebaut und ihm seine endgültige
Klangfarbe gegeben, immer in Anpassung an den Raumklang und Zusam-
menklang mit den übrigen Registern. Rund anderthalb Arbeitstage
benötigte jedes Register von 2 Intonateuren, die wochenlang mehrschich-
tig arbeiteten, mehrmals unterbrochen von Veranstaltungen. Parallel
erfolgte die Programmierung des elektronischen Spieltischs für die elektri-
schen Trakturen. Die letzte Arbeit war in der ersten Novemberwoche 2009
die Generalstimmung.

Auch Königinnen können regiert werden. Der fahrbare Spieltisch beinhaltet
in einer übersichtlichen Anlage alles, was an der Orgel zum Klingen
gebracht werden kann: 4 Manualklaviaturen mit je 61 und eine Pedalklavia-
tur mit 32 Tasten sowie 100 Registerwippen. Orgelbank und Spieltisch-
oberteil sind höhenverstellbar, jeder Organist kann sie so an seine Körper-
maße anpassen. Drei Balanciertritte beherrschen die Jalousiewände der
drei Schwellkästen, die Walze ermöglicht das Nacheinanderschalten aller
Register in einer dynamischen Abfolge vom leisesten pianissimo bis zum
majestätisch-kraftvollen Tutti. Eine Setzeranlage ermöglicht es, 10.000 Re-
gisterkombinationen einzuspeichern und per Knopfdruck abzurufen.
Gastorganisten können sie auf Chipkarte speichern. Die Verbindung vom
Spieltisch zur Orgel erfolgt über ein BUS-System per Datenkabel. So kann
der Spieltisch an verschiedenen Standorten aufgestellt werden.

Spezialitäten wie das Second-touch für das I. und II. Manual, Pizzicato-
Bass im Pedal und der Schwellwerkskoppler verfeinern die spieltechni-
schen Möglichkeiten. Im I. und II. Manual des Spieltisches gibt es jeweils
eine Second-touch-Funktion, die weitere Pfeifen erklingen lässt, wenn die
Taste über einen Druckpunkt hinaus betätigt wird. Natürlich ist dafür eine
zweite Tonerfassung nötig.

19 Kopplungen ermöglichen die Verbindung der 6 Teilwerke untereinander
in großer Vielfalt, bis hin zum Tutti aller 72 Register. Doch englische Nob-
lesse gehört auch hier zur Registrierkunst des Organisten: die großen
Solozungenstimmen gehören nicht zum Tutti. Das Second Touch, das auf
dem I. und dem II. Manual wirkt, ermöglicht es, über einen zweiten, tieferen
Tastendruckpunkt zusätzliche Register und Koppeln zu schalten, mit denen
man Akzentuierungen oder Melodiebetonungen erreichen kann, eine
Technik, die aus der Kinoorgel herrührt und für einen geschickten Organis-
ten eine große klangliche Bereicherung sein kann.

Entstanden ist ein Instrument, das englisch-symphonisch und zugleich eine
neue Orgel ist. Wer konkrete englische Orgeln kennt, wird sicher Unter-
schiede feststellen, so wie sich auch englische Orgeln untereinander unter-
scheiden. Es war daher nicht das Ziel, eine konkrete Orgel zu kopieren,
sondern eine neue Orgel zu schaffen, die sich speziell in die Akustik des
großen Saales der Mercatorhalle einfügt. Genau dafür sind Disposition,
Mensuren und Intonation geschaffen, dass die Orgel es vermag ein pianis-
simo zu spielen, das gerade noch hörbar ist, und ebenso ein Tutti, das
prächtig und machtvoll, aber nicht erdrückend wirkt, und dazwischen einen
lückenlosen dynamischen Klangaufbau und eine große Farbigkeit an Ein-
zelklängen und Klangmischungen bietet. Zusätzlich ist es wichtig, dass die
Klangproportionen zwischen den Registern und den Teilwerken sowohl die
Begleit- und Solofähigkeit herstellen als auch die Mischungsfähigkeit.
Nur so kann eine Orgel entstehen, die aus der raumangepassten Individu-
alität ihres Klanges und ihrer Technik ihre Einzigartig schöpft.

Für uns Orgelbauer gehen ein und ein dreiviertel Jahre intensive schöpfe-
rische Arbeit zu Ende. Es war für uns eine außerordentlich reizvolle
Aufgabe, die uns viele Erfahrungen gebracht hat. Wir sind sehr dankbar,
dass wir diese Orgel für die Mercatorhalle in Duisburg bauen durften und
danken allen für das entgegengebrachte Vertrauen. Möge die Orgel immer
diejenigen begeisterungsfähigen Organisten und Hörer finden, die sie stil-
gerecht zum Klingen bringen und für die kommenden Generationen
bewahren.

Jiří Kocourek
Geschäftsführer
Hermann Eule Orgelbau GmbH
 
 
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Eule-Konzertorgel, Mercatorhalle im CityPalais Duisburg
Eule-Konzertorgel, Mercatorhalle im CityPalais Duisburg
Freistehender fahrbarer Spieltisch, Mercatorhalle im CityPalais Duisburg