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Duisburg, CityPalais Mercatorhalle
Zur Technik der neuen Orgel
 
Die neue Orgel der Duisburger Mercatorhalle hat eine elektrische Ton- und
Registertraktur mit vielen technischen Finessen. Dabei wurde das Konzept
eines verteilten Elektroniksystems konsequent umgesetzt, auf dem die
"Orgelelektronik System Eule" basiert.
Das System entstand in Zusammenarbeit der Firma Eule mit der Fakultät
Informationstechnik und Elektrotechnik der Hochschule Mittweida und
wurde 2008/09 erstmalig an der Ladegast-Jehmlich-Orgel der Mittweidaer
Stadtkirche eingesetzt. Die Technik des verteilten, vernetzten Systems ist
in vielen Bereichen heute üblich, so bei der Elektronik im Kraftfahrzeug.
Dort finden wir etwa 30 bis 50 Mikrocontroller-Knoten mit den verschieden-
sten Funktionen, die über einen CAN-Bus miteinander vernetzt sind (CAN
bedeutet controller area network).

Das Grundprinzip der Orgelelektronik ist folgendes: Im Spieltisch werden
alle Manual- und Pedaltasten sowie die Wippen und Taster für Register,
Koppeln, Tremulanten, Setzer und Sonderfunktionen elektronisch erfasst.
Sie ergeben das sogenannte Eingangsabbild. Zwei Mikrocontroller berech-
nen daraus die Töne, Register und weitere Informationen für das Ausgangs-
abbild des Spieltisches, das an die Orgel geschickt wird. Bei den Tönen
müssen insbesondere die Koppeln verrechnet werden, bei den Registern
die Setzer und die Crescendo-Walze.

In der Orgel befinden sich direkt an jeder Windlade Magnetansteuerungen,
die alle über den CAN-Bus untereinander und mit dem Spieltisch verbun-
den sind. Die Mikrocontroller der Magnetansteuerungen filtern aus dem
Ausgangsabbild die Datenbits heraus, die für "ihre" Windlade gedacht sind
– die Zuordnung kann sehr einfach eingestellt werden. Damit werden die
richtigen Tonmagnete betätigt und die richtigen Registerschleifen gezogen
– die Pfeifen können erklingen. Außerdem gibt es eine Ansteuerung für die
Tremulanten und für die Schweller, die Werte werden ebenfalls über den
CAN-Bus übertragen.

Zu einigen technischen Details:
Im Spieltisch sind etwa 75 Leiterplatten unterschiedlicher Größe für die Er-
fassung der 398 Manual- und Pedaltasten eingebaut, weitere 30 Leiter-
platten für die 153 Register- und Setzertasten sowie Tritte und Anzeigen
sowie etwa 10 Leiterplatten für die beiden Controller, Schweller, Walze und
Chipkartenleser. In der Orgel gibt es ca. 70 Mikrocontroller-Leiterplatten in
den Magnetansteuerungen für die etwa 1.500 Magnete, für die Tremulanten-
und Schwelleransteuerung und für die Ferneinschaltung, verbunden über
ein entsprechendes CAN-Netzwerk. Insgesamt ist damit in der Orgel ein
verteiltes System aus fast 200 Leiterplatten am Werk.

Die Datentelegramme werden im Spieltisch durch ein sogenanntes Gate-
way vom CAN auf das von PC-Netzwerken her bekannte Ethernet um-
gesetzt, da im Großen Saal der Mercatorhalle Ethernet-Kabel und -dosen
verlegt sind. Der Spieltisch kann an allen entsprechend ausgestatteten An-
schaltpunkten im Saal angeschlossen werden, die Entfernung zur Orgel
spielt dabei keine Rolle.
In der Orgel setzt ein zweites Gateway die Daten wieder auf den CAN-Bus
um, der hier eine Ausdehnung von über 100 m hat.
Dieses Gateway arbeitet übrigens als Server und kann über ein TCP/IP-
Protokoll angesprochen werden. Das bedeutet, dass die Orgel prinzipiell
über das Internet von jedem PC aus gespielt werden könnte. Aus nahelie-
genden Gründen wurde darauf verzichtet, den entsprechenden Anschluss
herzustellen…

Prof. Dr. - Ing. Christian Schulz
Mittweida
 
 
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Controller an den Windladen
Bedienelemente der rechten Schublade
Registerschaltung im Spieltisch
Controller im Spieltisch