| Hermann Eule
Orgelbau - opus 582, II / 36
Erbaut 1992
Gestaltung
Die neue Orgel in der Dreikönigskirche entstand unter dem Grund-
gedanken einer sichtbaren und hörbaren Annäherung an die große
Hildebrandt-Orgel aus dem Jahre 1757, die zusammen mit der Kirche
im brennenden Inferno von 1945 unterging.
Die Aufnahme Hildebrandt'scher Prinzipien in der Prospektgestaltung
setzt sich folgerichtig fort in der Zusammenstellung der klingenden
Stimmen und Anlage der inneren technischen Struktur.
Einfachheit und Geradlinigkeit bestimmen die Mechanikführung, die
nach alter Art als hängende Traktur mit einarmigem Tastehebel
gebaut ist. Alle Überlegungen zur Orgel standen unter der Bemühung
um eine Synthese zwischen gestern und heute, zwischen formaler
Eigenwilligkeit und der Bindung an regionale Eigenheiten.
Burkhart Goethe:
Da die Versuche einer direkten Formenübertragung des Hildebrandt-
Prospektes nicht weiterführten, habe ich versucht, dessen optische
Eindrücke umzusetzen, sie einwirken zu lassen.
Wie wirkt der Prospekt auf mich als Musiker? Da ist Bewegung,
heiteres "Allegretto", da ist Akzent und Inkonsequenz zugleich.
Es ist
die Bewegung, die das Gehäuse Hildebrandts so musikalisch machte
und so soll im neuen Entwurf wieder Bewegung sein.
Kronenartig oben auslaufend, umfassen die drei Hauben der Haupt-
achsen die jeweils mittlere Pfeife im Vorderbereich, unten ist die
Sache umgekehrt:
Die tiefste Pfeife steht auf einem erkerartig vorspringendem, ausge-
rundetem Element. Durch die verschiedenen Spitzenausbildungen,
die überlängten Pfeifen in den Hauptachsen und die Überstände
in
den Lisenen kommt nun Bewegung in den Oberbereich, Bewegung,
die sich zur Kirchendecke hin auflöst.
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